Es gibt Spiele, die haben einfach einen
kleinen, aber feinen Dreh. Verso (Alexis Allard & Joan Dufour / Strohmann
Games) gehört genau in diese Kategorie. Eine Karte umdrehen und schon ändert
sich nicht nur die eigene Auslage. Nein, auch die Pläne der Mitspielenden
geraten schnell ins Wanken.
Nur ein paar Karten
Ein Stapel aus Karten, jeweils mit einer
von 3 unterschiedlichen Farben auf Vorder- und Rückseite, Zahlenwerten von 1 bis 6 und Siegpunkten. Viel
mehr braucht es nicht. Im eigenen Zug wandert die oberste Karte in die eigene
Auslage. Bin ich mit der offenen Seite zufrieden, nutze ich diese. Oder aber
ich wende die Karte und spiele damit auf Risiko. Gänzlich zufällig ist das
Resultat allerdings nicht. Die Rückseite zeigt stets eine andere Farbe und eine
benachbarte Zahl. Das ist insbesondere wichtig, weil ich keine 2 gleichen
Karten in meiner Auslage haben darf. Ziehe ich eine Doppelte, wandert diese auf
den Ablagestapel und der Zug ist verschwendet.
Zeit, an Punkte zu denken
Über Kurz oder Lang ist meine Auslage zu
groß, passende Karten werden zunehmend unwahrscheinlicher. Zeit also, an Punkte
zu denken. Anstatt eine weitere Karte zu ziehen, kann ich eine der farbigen
Zahlenfolgen werten. Das bringt Punkte, allerdings muss ich zwei der genutzten
Karten abwerfen. Da lange Reihen zudem mehr Punkte versprechen, ist an dieser
Stelle das Timing entscheidend. Zumal das Werten einen weiteren Effekt hat.
Denn meine Sitznachbarn müssen sofort ihre höchste Karte dieser Farbe umdrehen,
was ihre Pläne gerne mal zerlegt. Und wem es gelingt, drei Reihen in drei
Farben komplett auszufüllen, der bekommt ebenfalls ein paar Punkte. Ist der
Nachziehstapel leer, zeigt sich, wer am cleversten gedreht, gesammelt und im
richtigen Moment gepunktet hat.
Fazit
Verso ist eines dieser Spiele, bei denen
die Regeln kaum Raum einnehmen, die Gedanken aber plötzlich um jede kleine
Entscheidung kreisen. Das ständige Abwägen zwischen Sicherheit oder Risiko, das
richtige Timing beim Werten und die Beobachtung der Mitspielenden erzeugen ein ruhige,
aber dauerhafte Spannung. Dabei mischt sich Taktik immer wieder mit einer guten
Portion Glück: Welche Karte gezogen wird, ob die Rückseite gerade passt, und ob
eine Farbfolge entsteht, hängt wesentlich auch vom Zufall ab. Das kann durchaus
zu Frustration am Tisch führen, wenn einfach gar nichts passen will. Gleichzeitig macht genau dieser Zufall das
Spiel aber auch lebendig und verhindert, dass es sich zu verkopft anfühlt.
Gleiches gilt für die zwar überschaubare, aber alles andere als unbedeutende
Interaktion. Frust und Schadenfreue liegen hier eng beieinander und schlussendlich
hebt genau diese Mischung Verso aus der Masse ähnlicher Spiele hervor.



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