Die sieben Todsünden. Fast
jeder kennt sie und fast jeder begeht regelmäßig die eine oder andere davon.
Ist ja auch gar nicht so einfach, ein Leben ganz ohne Neid, Trägheit oder Zorn
zu führen. Dank The Deadlies (Paul Saxberg / Iello) können wir nun aber üben, uns
von unseren Sünden zu befreien. Und das am besten vor den Mitspielern.
Eine Hand voller Sünden
Mehrere der sieben
Todsünden haben wir zu Beginn einer Partie in Form von Karten auf der Hand.
Sind wir am Zug, spielen wir diese als Straße, Set oder einzeln und führen den
Effekt der obersten Karte aus. Und hier wird es spannend. Denn die
Kartenfunktionen passen beeindruckend gut zu den entsprechenden Sünden. So muss
bei Zorn ein Mitspieler eine Karte ziehen, darf dann aber mit einem eigenen
Zorn kontern. Bei Neid versucht man die Kartenhände zu tauschen, Habgier kann die
eigenen Karten ebenso schnell loswerden wie weiter aufstocken.
Der lange Weg zur
Absolution
Ganz so schnell ist die
Absolution von unseren Sünden dann aber doch nicht zu erreichen. Denn das Ende
eine Partie kommt nicht etwa, wenn die Karten erstmals heruntergespielt wurden.
Vielmehr zieht die erfolgreiche Spielerin vier Karten nach und beim nächsten
Erfolg direkt noch mal zwei. Nachgehalten wird dies mit Hilfe der
Sündenscheibe. Erst wenn diese auf Null gedreht wurde, ist die Partie
tatsächlich beendet und zumindest einer von uns konnte sich von seinen Sünden
reinwaschen.
Fazit
The Deadlies beeindruckt
in erster Linie durch die tolle thematische Umsetzung. Gerade kleinere
Kartenspiele bleiben zumeist abstrakt, hier fühlt sich jede Todsünde genau so
an, wie man sich das vorstellt. Der Zorn schaukelt sich zwischen den Spielern
hoch, bei Habgier bekommt man den Hals nicht voll. Dazu die Grafiken, die all
das noch optisch sehr gelungen darstellen. Abseits vom Thema bietet The
Deadlies aber auch spielerisch interessante Ideen. Der Einsatz der Effekte ist
hoch interaktiv und zumeist spannend. Nicht selten wird man kurz vor der
Ziellinie noch abgefangen, das sorgt für Emotionen. Wirklich gelungen finde ich
zudem, dass das Spiel in einem Fluss durchläuft. Ist eine Kartenhand leergespielt,
wird die Partie nicht unterbrochen. Stattdessen nur das Rad herunterdrehen,
Aufziehen und Weiterspielen. Dadurch entstehen keine Pausen, ständig ist man im
Flow.
Während erfahrenere
Spieler die Möglichkeiten und die thematische Umsetzung schätzen, erschweren
die (für ein kleines Kartenspiel) komplexen Karteneffekte den Einstieg spürbar.
In den ersten Runden kommt es immer wieder zu Fehlern und Nachfragen. Zwar sind
alle Effekte auf den Karten beschrieben, dennoch sind diese oft alles andere
als intuitiv. Entsprechend zäh und träge laufen die Erstpartien. Dazu kommt
natürlich ein gewisser Glücksanteil, der für ein Kartenspiel aber im üblichen
Rahmen liegt. Entsprechend ist die Zielgruppe zwar eingeschränkt, wer sich
durch die ersten Runden arbeitet wird aber mit einem thematisch besonderen und
unterhaltsamen Spiel belohnt.
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