Vergesst die Fußball-Weltmeisterschaft. Der
wahre, knallharte Leistungssport findet im Schaumstoffkostüm statt! Denn in Hot
Streak (Jon Perry / Strohmann Games) messen sich schwitzende Vereinsmaskottchen
auf einer Rennstrecke, während wir auf den unberechenbaren Verlauf und das unweigerlich
im Chaos endende Finale wetten.
(Planbares) Chaos
In Hot Streak schlüpfen wir nicht etwa
selbst in die Kostüme, sondern nehmen auf der Tribüne Platz. Über drei
aufeinanderfolgende Rennen wetten wir auf die Platzierung der vier
teilnehmenden Maskottchen. Dabei findet das eigentliche Spiel schon vor dem
Startschuss statt. Denn dann werfen wir einen Blick auf die Rennkarten, die den
Verlauf bestimmen. Diese werden im Vorfeld zufällig gezogen und bestimmen, wie
sich die Protagonisten schlagen. Der Bär rennt in die falsche Richtung? Der Hot
Dog stolpert? Dann vielleicht doch besser auf Queen-Mom setzen, immerhin liegen
für die gleich mehrere gute Karten aus. Allerdings wandern von den
Mitspielenden immer noch zusätzliche Karten in den Stapel und natürlich ist
auch die Reihenfolge zufällig. Reichlich Platz für Unwägbarkeiten also.
Sprinten, Stolpern, Seitenschritt
Ist das Kartendeck vorbereitet, geben
wir reihum unsere Wetten ab. Ob auf Sieg, Platz oder skurrile Seitenwetten, das
ist ganz uns überlassen. Sobald die Wettscheine verteilt sind und der
Rennstapel gemischt wurde, sind uns allerdings die Hände gebunden. Nun werden
die Karten nacheinander aufgedeckt und das Drama nimmt seinen Lauf. Maskottchen
rennen vorwärts, stolpern, drehen sich um oder laufen plötzlich schwungvoll in
die völlig falsche Richtung. Dennoch dauern die Rennen nie länger als ein paar
Minuten. Und nach der Ausschüttung unserer (sicher gigantischen) Gewinne, folgt
direkt der nächste von drei Läufen.
Fazit
Hot Streak fällt auf, und das nicht nur
auf spielerischer Ebene. Die herausziehbare Rennstrecke und die grandiosen
Figuren sind ein absoluter Hingucker und verdienen ein Sonderlob, auch wenn das
natürlich seinen Preis hat. Entsprechend verwundert es nicht, dass das Spiel
schnell der Mittelpunkt eines Spieletreffs ist. Glücklicherweise macht es
überdies auch noch Spaß, auf die Figuren zu Wetten, den eigenen Favoriten anzufeuern
und über die Missgeschicke der Konkurrenz lauthals zu jubeln. Der Humor spielt
hier jede Sekunde mit. Gleichzeitig kann genau das aber auch eine
Herausforderung sein. Denn die lautstarke, hochemotionale Atmosphäre entsteht
in erster Linie durch die Spielenden. Die Runde muss gewillt sein,
mitzufiebern, mitzubrüllen und mitzujubeln. Wenn diese emotionale Bereitschaft
am Tisch fehlt, plätschert das Renngeschehen eher trocken und glücksbetont vor
sich hin. Entsprechend brilliert Hot Streak auch eher in größeren Gruppen.
Kritisch zu sehen sind zudem Thema und
Altersempfehlung. Die Verlagsangabe „ab 6 Jahren“ halte ich für falsch. Zwar
können auch jüngere Kinder Spaß haben, schlussendlich müssen aber
Wahrscheinlichkeiten erfasst werden. Zudem leistet sich das Spiel einen
seltsamen atmosphärischen Bruch im Thema. Laut Anleitung sind wir „glücklose
Spielsüchtige“, was dem eigentlich so lockeren, bunten Thema einen unnötigen
Beigeschmack verpasst. Im Spiel merkt man davon dann aber wenig. Auf
spielfreudige und emotionale Gruppen wartet hier vielmehr ein echtes Spektakel.




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