Samstag, 14. Februar 2026

Formidabel!

Schon beim ersten Blick auf Formidabel! (Friedemann Friese / 2F) kann man regelrecht die Marktschreier hören. „Frische Tomaten, im Doppelpack billiger“. „Ein Stapel Gurken, besonders frisch und lecker“. Oder aber „Ein Schwein… kostet nur drei Tomaten… dafür dürft ihr aber Weizen in Schafe tauschen“. Häh? Ja, OK. Ganz so nach Marktschreier klingt das irgendwie dann doch nicht. Aber auch so geht es am Tisch häufig laut zu. Auch wenn eigentlich jeder für sich allein spielt.
 
 
 
 
 
 
 
Eine Aktion und ein paar Karten
Das Grundprinzip ist denkbar einfach: Es gewinnt, wer den eigenen Stapel an Handelskarten zuerst erfüllt hat. Jede Karte zeigt oben die Kosten, üblicherweise in Form von Feldfrüchten. Unten auf den Karten ist die Belohnung abgebildet. Feldfrüchte, neue Karten, Tauschaktionen und noch einiges mehr. Doch ich greife vor. Denn bevor wir die Karten nutzen, besuchen wir den zentralen Nachschubplan. Dort platzieren wir unseren Marker auf einem freien Feld und erhalten so einen kleinen Ertrag, etwa drei Weizen, zwei Gurken oder eine Karte. Erst jetzt erfüllen wir Handelskarten, maximal drei in einer Runde. Dabei können wir sowohl Karten auf unserer Hand nutzen, womit wir dem Spielsieg näherkommen. Oder wir greifen auf den zentralen Markt zurück, wo vielleicht interessante Tauschgeschäfte locken.
 
 
Münzen zur freien Entfaltung
Erfüllte Karten dienen nicht nur als erledigte Aufträge, sondern auch als Währung für Sonderaktionen. Auf diesem Weg lassen sich etwa zusätzliche Ressourcen erwerben, Karten ziehen oder besetzte Felder auf dem Nachschubplan nutzen. Was nicht nach viel klingt, bietet gerade die zusätzlichen Optionen, die mitunter beeindruckende Kettenzüge ermöglichen oder ansonsten verlorene Züge doch noch produktiv werden lassen. Denn schlussendlich kommt es auf die Geschwindigkeit und das optimale Nutzen der eigenen Möglichkeiten an.
 
Fazit
Einen Marker setzen, einige wenige Handkarten ausführen. Fertig. Sehr viel simpler kann ein Spielablauf fast nicht sein. Und dennoch überrascht Formidabel! mit seiner Vielfalt und Entscheidungsdichte. Das Management von Handkarten, Ressourcen und Aktionen verlangt ständiges Abwägen und wird auch nach vielen Partien nicht langweilig. In jedem Zug werden mögliche Wege zum Ziel abgewogen, Pläne erstellt und (nicht zuletzt aufgrund der Aktionen der Mitspielenden) wieder verworfen. Dazu das zumeist positive Spielgefühl. Stets kommen wir unserem Ziel näher, und sei es nur, weil wir eine weitere Ressource sammeln.
 
Allerdings kommt diese Vielfalt der Möglichkeiten nicht ohne einen Haken. Denn die vielen Symbole auf den Karten erfordern ein ständiges Nachschlagen. Selbst nach mehreren Partien wirken einige davon nicht immer intuitiv, dass es keine Spielerhilfen gibt, bremst den Spielfluss zusätzlich aus. So wird aus dem vermeintlich simplen Ablauf, insbesondere in der ersten Partie, ein ständiges Nachfragen. Gerade in Vollbesetzung kann sich eine Runde dann auch mal ziehen. Auch mit dem Glücksanteil muss man natürlich umgehen können. Tatsächlich ermöglicht gerade der Zufall bei den gezogenen Karten einen stets abwechslungsreichen Spielverlauf. Dennoch kann das Schicksal hier zuschlagen. Für mich bleibt ein Spiel, das trotz kleiner Stolpersteine gut zu unterhalten weiß. Wer bereit ist, sich durch den Symbolwald zu wühlen und dem Zufall nicht gleich den Marktplatz zu räumen, bekommt ein sehr unterhaltsames Tausch-Puzzle. 
 

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