Schon beim ersten Blick auf Formidabel!
(Friedemann Friese / 2F) kann man regelrecht die Marktschreier hören. „Frische
Tomaten, im Doppelpack billiger“. „Ein Stapel Gurken, besonders frisch und
lecker“. Oder aber „Ein Schwein… kostet nur drei Tomaten… dafür dürft ihr aber Weizen
in Schafe tauschen“. Häh? Ja, OK. Ganz so nach Marktschreier klingt das
irgendwie dann doch nicht. Aber auch so geht es am Tisch häufig laut zu. Auch
wenn eigentlich jeder für sich allein spielt.
Eine Aktion und ein paar Karten
Das Grundprinzip ist denkbar einfach: Es
gewinnt, wer den eigenen Stapel an Handelskarten zuerst erfüllt hat. Jede Karte
zeigt oben die Kosten, üblicherweise in Form von Feldfrüchten. Unten auf den
Karten ist die Belohnung abgebildet. Feldfrüchte, neue Karten, Tauschaktionen
und noch einiges mehr. Doch ich greife vor. Denn bevor wir die Karten nutzen,
besuchen wir den zentralen Nachschubplan. Dort platzieren wir unseren Marker
auf einem freien Feld und erhalten so einen kleinen Ertrag, etwa drei Weizen,
zwei Gurken oder eine Karte. Erst jetzt erfüllen wir Handelskarten, maximal
drei in einer Runde. Dabei können wir sowohl Karten auf unserer Hand nutzen,
womit wir dem Spielsieg näherkommen. Oder wir greifen auf den zentralen Markt
zurück, wo vielleicht interessante Tauschgeschäfte locken.
Münzen zur freien Entfaltung
Erfüllte Karten dienen nicht nur als
erledigte Aufträge, sondern auch als Währung für Sonderaktionen. Auf diesem Weg
lassen sich etwa zusätzliche Ressourcen erwerben, Karten ziehen oder besetzte
Felder auf dem Nachschubplan nutzen. Was nicht nach viel klingt, bietet gerade
die zusätzlichen Optionen, die mitunter beeindruckende Kettenzüge ermöglichen
oder ansonsten verlorene Züge doch noch produktiv werden lassen. Denn
schlussendlich kommt es auf die Geschwindigkeit und das optimale Nutzen der
eigenen Möglichkeiten an.
Fazit
Einen Marker setzen, einige wenige
Handkarten ausführen. Fertig. Sehr viel simpler kann ein Spielablauf fast nicht
sein. Und dennoch überrascht Formidabel! mit seiner Vielfalt und
Entscheidungsdichte. Das Management von Handkarten, Ressourcen und Aktionen
verlangt ständiges Abwägen und wird auch nach vielen Partien nicht langweilig.
In jedem Zug werden mögliche Wege zum Ziel abgewogen, Pläne erstellt und (nicht
zuletzt aufgrund der Aktionen der Mitspielenden) wieder verworfen. Dazu das
zumeist positive Spielgefühl. Stets kommen wir unserem Ziel näher, und sei es
nur, weil wir eine weitere Ressource sammeln.
Allerdings kommt diese Vielfalt der
Möglichkeiten nicht ohne einen Haken. Denn die vielen Symbole auf den Karten
erfordern ein ständiges Nachschlagen. Selbst nach mehreren Partien wirken
einige davon nicht immer intuitiv, dass es keine Spielerhilfen gibt, bremst den
Spielfluss zusätzlich aus. So wird aus dem vermeintlich simplen Ablauf,
insbesondere in der ersten Partie, ein ständiges Nachfragen. Gerade in
Vollbesetzung kann sich eine Runde dann auch mal ziehen. Auch mit dem
Glücksanteil muss man natürlich umgehen können. Tatsächlich ermöglicht gerade
der Zufall bei den gezogenen Karten einen stets abwechslungsreichen
Spielverlauf. Dennoch kann das Schicksal hier zuschlagen. Für mich bleibt ein
Spiel, das trotz kleiner Stolpersteine gut zu unterhalten weiß. Wer bereit ist,
sich durch den Symbolwald zu wühlen und dem Zufall nicht gleich den Marktplatz
zu räumen, bekommt ein sehr unterhaltsames Tausch-Puzzle.



Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen