Donnerstag, 25. September 2014

The Manhattan Project

Vom Knallfrosch zur Atombombe
Es gibt einige Themen für Spiele, die es auf dem deutschen Markt fast zwangsläufig schwer haben. An erster Stelle dürfte dabei ganz klar der Zweite Weltkrieg stehen. Spiele wie Memoir ´44 oder D-Day Dice sind zwar in Amerika und Europa sehr erfolgreich, eine deutsche Version wird aber wohl niemals existieren. Umso erfreulicher, wenn sich ein Verlag traut, ein solches Thema doch auch einmal in die Sprache von Schiller und Goethe zu übersetzen. Mit The Manhattan Project (Brandon Tibbetts) hat sich Asmodee dabei ein äußerst interessantes Werk für Vielspieler ausgesucht.

Während des Zweiten Weltkrieges forschen wir als Vertreter unserer Nation an Nuklearwaffen. Mittels Ingenieuren und Wissenschaftlern reichern wir radioaktive Elemente an um mit diesen als erster einsatzfähige Bomben zu erschaffen. Spionage und Luftschläge helfen uns dabei, die Mitspieler auf Distanz zu halten.



Der Blindgänger
Die Grundlagen von Manhattan Project kennt man aus gängigen Arbeiter-Einsetz-Spielen. Ist man an der Reihe kann man einen Arbeiter auf dem zentralen Plan platzieren und die dortige Aktion ausführen. Im Anschluss werden beliebig viele Arbeiter auf dem eigenen (und zu Beginn leeren) Spielplan platziert. Der zentrale Plan bietet dabei etwa weitere Arbeiter für spätere Runden, Rohstoffe (Geld, Yellowcake, Uran, Plutonium), Blaupausen für Bomben oder Spionage. Alternativ kann ein Gebäude erworben und auf dem eigenen Plan abgelegt werden. Diese entsprechen fast durchweg besseren Varianten der Aktionen auf dem Spielplan. Im Anschluss können beliebig viele Bomben gebaut werden, sofern man über die entsprechenden Blaupausen sowie das radioaktive Material und die Arbeiter verfügt. Erreicht man damit eine spielerzahlabhängige Menge an Siegpunkten ist das Wettrennen um die erste funktionsfähige Bombe entschieden.

Die Bombe
Die bisher beschriebenen Elemente unterscheiden sich nicht wesentlich von gängigen Spielen dieser Art und bieten diesbezüglich auch tatsächlich klassische Kost. 2 Dinge heben The Manhattan Project allerdings von vergleichbaren Werken ab.
Zum einen ist dies der Setz-Mechanismus. Eingesetzte Arbeiter verbleiben so lange auf dem Plan, bis der Spieler sich entscheidet, sein gesamtes Personal abzuräumen. Jede Runde muss er sich dafür zwischen Einsetzen und Abräumen entscheiden. Dadurch ist es einerseits möglich abwechselnd alle Arbeiter (auf dem eigenen Tableau) einzusetzen und im Folgezug wieder abzuräumen. Alternativ kann man seine Arbeiter auch sehr spärlich einsetzen um wichtige Felder lange zu blockieren.
Das zweite besondere Element ist die direkte Interaktion. Diese beschränkt sich bei The Manhattan Project nämlich nicht auf das simple Wegschnappen von Aktionsfeldern. Vielmehr kann man die persönlichen Gebäude der Mitspieler mittels Spionage selbst nutzen oder gleich mit der Hilfe von Bombern zerstören. Solange das Gebäude nicht repariert wird, ist es damit unbrauchbar.
Das Thema
Auf eine Diskussion über das Thema von Manhattan Project werde ich an dieser Stelle bewusst verzichten, hier sollte jeder selbst entscheiden inwiefern er sich davon beeinflussen lässt. Es sei nur so viel gesagt: Die grafische Darstellung ist weitestgehend in einer Art Comic-Stil gehalten und verzichtet auf reißerische Zeichnungen. Trotzdem ist das Thema omnipräsent und kann schwerlich zur Gänze ignoriert werden.

Fazit
Spielerisch hebt sich The Manhattan Project angenehm von anderen Vertretern seines Genres ab. Aufgrund der bekannten Elemente finden sich erfahrene Spieler schnell zurecht, während die Möglichkeit eines direkten Angriffs anhaltend für Spannung sorgt. Ob man aggressive Interaktion in einem solchen Spiel mag sollte jeder für sich entscheiden. Ich empfand es auf jeden Fall als angenehme Abwechslung. Gleichzeitig stellt diese direkte Interaktion aber auch einen Schwachpunkt des Spiels dar. Im Spiel zu dritt werden Bomberangriffe so gut wie gar nicht genutzt, da der unbeteiligte Spieler am stärksten davon profitieren würde. Im Spiel zu zweit können die Angriffe dagegen im Extremfall so stark ausfallen, dass ein Spieler bereits nach kürzester Zeit chancenlos ist. Solch extreme Partien sind zwar die Ausnahme, kamen bei mir aber durchaus vor. 

Trotz der Schwächen im Spiel zu zweit bietet The Manhattan Project aber genug neue Ideen und fesselnde Entscheidungen um für viele Partien Spaß zu liefern. Und sollte man irgendwann alles gesehen haben, sind in der Packung gleich noch diverse Erweiterungen enthalten mit denen wir verschiedene Nationen anführen, berühmte Wissenschaftler anheuern oder Raketen mit unseren Sprengköpfen bestücken.

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