Magier sind weise. Magier sind mächtig.
Und Magier sind…müde. Perfekt für uns. Denn so können wir uns heimlich, still
und leise seiner Schätze bemächtigen. Und das ganz ohne Risiko. Naja, zumindest
für uns. Denn in „Helden gesucht (Bethany Linder / Lookout Spiele) schlüpfen
wir nicht etwa in die Rolle der Helden. Nein, wie sind Personalmanager und als
solcher für die Zusammenstellung der passende Opfer Gruppe
verantwortlich.
Helden…sammeln!
Der Arbeitsmarkt ist überschaubar.
Gerade einmal drei Bewerber warten auf uns in der zentralen Auslage. Dazu vier
Personen auf der Hand, deren Bewerbung aber wohl auf dem Postweg verloren
gegangen ist. Denn die Karten halten wir verkehrt herum, nur zwei dürfen wir zu
Rundenbeginn kurz anschauen. Nur die Mitspielenden wissen ganz genau, wer sich
uns anschließen will. Und das kann sehr hilfreich sein. Denn reihum legen wir
nun eine Karte aus der Hand, aus der Auslage oder vom verdeckten Stapel vor uns
und bilden damit unser Team aus 4 Helden. Das Ziel: eine möglichst leise
Truppe. Denn jeder Charakter verfügt über einen Lärmwert, wobei zwei gleiche
Werte sich gegenseitig Nullen. Also versuchen wir, Heiler, Krieger und Schleime
mehrfach zu sammeln. Wohl dem, der richtig einschätzt, welche Karten der
Mitspielenden wohl noch auf dem Markt landen.
Ein Team für den Turm
Steht unser Team, bestimmen wir den
Lärmpegel. Gruppen sind klasse, Barden weniger. Denn die sind nicht gerade für
ihre Heimlichkeit bekannt. Aber auch der Ort unseres Raubzuges hat noch ein
Wörtchen mitzureden. Denn ein echter Magier residiert natürlich nicht in einer
Kammer unter der Treppe. Nein, es muss schon ein magischer Turm sein. Dessen
Etagen setzen sich in jeder Partie neu zusammen, weshalb immer wieder
Überraschungen auf uns warten. So bringen bestimmte Helden zusätzliche Punkte,
machen weniger Lärm oder werden direkt beim Erwerb ausgetauscht. Neben der
leisesten Gruppe können also auch andere Strategien punkten. Und schlussendlich
geht es doch nur darum: Am Ende am meisten abstauben… und dabei hoffentlich
nicht die Gruppe sein, die mit ihrem Lärm den Magier weckt.
Fazit
„Helden gesucht“ unternimmt viel, um
Fantasy-Fans direkt für sich einzunehmen. Eine augenzwinkernde Story, tolle
Grafiken und liebevolle Texte mit allerlei Anspielungen wissen zu gefallen.
Dazu passen die überschaubaren Regeln, wir können bereits nach wenigen Minuten
starten. Und auch im Spielverlauf selbst, sind durchaus Emotionen zu spüren.
Die Hoffnung auf passende Karten, das Beäugen der Mitspielenden und das
Fluchen, wenn es dann doch wieder nicht passt. Das alles kennen wir aber auch
von anderen Spielen. Und leider schwächelt „Helden gesucht“ gerade bei den
Turmkarten, die eigentlich für Abwechslung sorgen sollten. Mehrere davon
bringen Bonuspunkte für bestimmte Helden, was schnell langweilig wird. Dazu
kommen Sonderregeln, die fast keinen Effekt haben (die Karten liegen auf dem
Tisch und sind nicht auf der Hand) oder sogar jeden Spielspaß nehmen (keine
Karten anschauen). Nur wenige der Turmkarten überzeugen wirklich. Der Basar
etwa, der Zugriff auf die Karten der Mitspielenden erlaubt. Solche spannenden
Turmetagen gibt es aber leider viel zu wenige.
Spielerisch mag „Helden gesucht“ dennoch
in Ordnung gehen. Aber was hier an Material geboten wird, ist schlichtweg
misslungen. Einerseits die Leiste entlang des Schachtelrandes, die unsere
Lärmmarker beherbergt. Friemelig, anfällig für Fehler und schlicht unschön.
Noch dramatischer ist aber die Kartenqualität. Denn die Karten sind so dünn,
dass man bei passendem Licht einfach durchschauen kann. Bei einem Spiel, das
von der Unwissenheit lebt, ist das ein KO-Kriterium. Natürlich kann man die
Karten entsprechend halten oder sonstige Lösungen finden. Aber ganz ehrlich:
Das ist Aufgabe des Verlages und nicht der Spielenden.



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