Sonntag, 20. September 2026

Circadia

Hisashi Hayashi ist spätestens seit Bomb Busters, dem Spiel des Jahres 2025, kein Unbekannter mehr. Dass er es thematisch auch deutlich friedlicher kann, zeigt er nun mit Circadia (Elznir Games). Denn anstatt Bomben zu entschärfen, sammeln wir Geisterwesen und bauen Habitate. Viel friedlicher geht es kaum. Dieser Eindruck setzt sich mit dem Öffnen der Schachtel direkt fort. Denn das Material beschränkt sich im Wesentlichen auf Karten. Einem schnellen Start steht also wen
ig im Weg.
 
 
 
 
 
 
Drei Stapel und ein Geisterwesen
Beginnen wir mit den Habitaten. Von diesen gibt es 3 verschiedene Arten (Wald, Fluss und Nebel), jeweils 3 davon liegen offen aus. Genau diese Karten sind das Ziel unserer Begierde, dienen sie doch als Heimat für Geisterwesen. Fünf davon finden sich anfänglich auf unserer Hand, passend zu den Habitaten und mit Werten von 1 bis 5. In unserem Zug spielen wir beliebig viele Karten mit dem gleichen Wert in die persönliche Auslage. Allerdings dürfen die Werte, wie sollte es auch anders sein, nicht sinken. Das Gemeine: Der Wert der ausgespielten Karten bestimmt gleichzeitig, wie viele neue Karten wir aus der zentralen Auslage nehmen dürfen. Eine Fünf klingt deshalb zunächst verlockend, fünf neue Karten sind schließlich fünf neue Möglichkeiten. Dummerweise schränken genau diese hohen Karten die Erweiterung meiner Auslage massiv ein. Also vielleicht doch liebe ein paar Einser spielen, nur eine Karte nachziehen dafür aber die eigene Auslage flexibel halten. Ein spannendes Dilemma.
 
 
Sprinten, Stolpern, Seitenschritt
Das Hantieren mit den Geistwesen hat eigentlich nur das Ziel, genug Karten zusammenzubekommen, um sich eines der Habitate leisten zu können. Die punkteträchtigen Karten sind natürlich schwieriger zu erreichen und auch für die Mitspielenden verlockend. Zusätzlich müssen die Habitate in einer Tag-Nacht-Folge gesammelt werden. Eine attraktive Karte kann deshalb im falschen Moment völlig nutzlos sein. Damit entsteht ein schönes Wettrennen um die wertvolleren Habitate. Wer zu lange wartet, riskiert, dass ein lukratives Ziel weg ist. Wer zu früh zugreift, nimmt vielleicht Punkte mit, verbaut sich damit aber die bessere Gelegenheit für den nächsten Zug. All das will auf dem Weg zu den für den Sieg nötigen 15 Punkten berücksichtigt werden.
 
Fazit
Zunächst wirkt Circadia wie gewöhnliches Set Collection: Karten sammeln, Sets bilden, Punkte kassieren. Erst nach einigen Zügen zeigt sich, wie eng die einzelnen Entscheidungen miteinander verwoben sind. Welche Karte spiele ich, welches Geisterwesen sammle ich und wie halte ich gleichzeitig meine Auslage flexibel und meine Kartenhand gut gefüllt? Genau in diesen vielen kleinen, aber interessanten Entscheidungen liegt der Reiz. Die Regeln sind schnell erklärt, doch der richtige Zeitpunkt für die eigenen Aktionen will gut gewählt sein. Aus dem zunächst harmlosen Kartenspiel wird so ein kleines Puzzle, bei dem man sich durchaus selbst ein Bein stellen kann.
 
Allerdings hat das Spiel auch seine Grenzen. Zwar sollte man die Auslage und die Pläne der Mitspielenden stets im Auge behalten, direkten Einfluss auf deren Spiel gibt es jedoch kaum. Vieles passiert auf der eigenen kleinen Baustelle. Wer gerne miteinander oder gegeneinander taktische Manöver ausheckt, dürfte hier etwas vermissen. Auch die langfristige Abwechslung ist überschaubar. Nach einigen Partien ist der Kniff des Spiels bekannt und große Überraschungen bleiben aus. Die kleinen Dilemmata funktionieren allerdings auch nach dutzenden von Partien weiterhin gut. Circadia ist kein Spiel, das mit spektakulären Mechanismen oder überbordendem Material um Aufmerksamkeit buhlt. Es ist klein, friedlich, schnell erklärt. Und dabei erstaunlich herausfordernd.
 

 

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