Mittwoch, 11. Juli 2018

Heaven & Ale


Wir Spieler sind je eigentlich ein ganz genügsamer Menschenschlag. Ich persönlich bin schon glücklich, wenn ich mit einem schönen Spiel und einem kalten Bier (wahlweise auch Wein) in der Sonne sitzen und den Tag genießen kann. Umso besser, wenn das Spiel mir dann gleich noch erlaubt, selbst Bier zu brauen. Seltsam allerdings, wenn besagtes Spiel dann so trocken ausfällt, dass jedes Gefühl von Bier brauen auf der Strecke bleibt. Warum Heaven & Ale (Michael Kiesling & Andreas Schmidt / Eggertspiele) dennoch ein gutes Spiel ist, lest ihr hier.







Allerlei Zutaten
Um das leckerste Bier zu brauen, müssen wir 5 Zutaten und unseren Braumeister möglichst gut entwickeln. So viel zum Thema. In der Praxis müssen insgesamt 6 Marker möglichst weit auf einer Skala voran bewegt werden. Denn am Ende zählt die schlechteste Zutat, wobei durchaus noch etwas hin und her getauscht werden darf. Stellt sich also im Wesentlichen die Frage, wie wir unsere Marker voran bewegen. Genau hierfür sammeln wir Zutatenplättchen aus der zentralen Auslage und platzieren diese auf unserem Landstrich. Je nach Platzierung bringt uns das, mit der passenden Aktivierung, ein paar Schritte auf der Leiste oder (mindestens genauso wichtig) Geld.


Rohstoffplättchen
Um an die Plättchen zu kommen, steht allen Spielern ein Rundkurs zur Verfügung. In unserem Zug können wir uns auf diesem stets so weit bewegen, wie wir wollen. Aber leider nur vorwärts. Erreichen wir das Ende, endet für uns auch die Runde. Stets muss also abgewogen werden, wie viele Felder wir bereit sind zu überspringen, für das besonders spannende Plättchen ganz am Ende. Und natürlich müssen auch die Kosten einkalkuliert werden. Denn so ein Plättchen will bezahlt werden, egal ob es sich dabei um Rohstoffe oder Mönche handelt. Genau diese Zwänge machen den Reiz von Haven & Ale aus, insbesondere, da Geld stets knapp ist und dessen Verwendung eine genau Planung benötigt.

Wertungen
Neben den Plättchen finden sich auf dem Rundkurs immer wieder Wertungsscheiben, welchen ebenfalls eine essentielle Bedeutung zukommt. Denn genau mit diesen lösen wir, wie der Name schon sagt, Wertungen aus. Je nach Scheibe wird dann etwa jedes Hopfenfeld, bestimmte Mönche oder jeder Marker mit dem gleichen Zahlenwert aktiviert. Besonders lukrativ ist das natürlich am Ende des Spiels, wenn wir schon eine volle Auslage haben. Aber genau hier wird es gemein. Denn die Wertungen bringen uns, neben den Bewegungen unserer Rohstoffmarker, auch ein finanzielles Einkommen. Und da Geldmangel eigentlich eher der Normalfall ist, muss bereits sehr früh gewertet werden. Ebenfalls ein Anreiz zur frühen Wertung sind die Sonderkarten, die verschiedene Boni versprechen. Eine weitere Zwickmühle und ein ständiger Kampf zwischen dem Gewünschten und dem Notwendigen.


Scheunen
Glücklicherweise gibt es einen weiteren Weg, Plättchen zu aktivieren. Und zwar immer dann, wenn die Scheunenplätze in der eigenen Auslage komplett umbaut wurden. Stets werden einerseits einige der umliegenden Plättchen aktiviert und andererseits der Braumeister ein paar Schritte nach vorne bewegt. Und gerade diesem kommt eine besondere Rolle zu, ist seine Position am Ende doch wesentlich für die erzielten Punkte. Einige davon bekommen wir darüber hinaus über Aufgaben, die wir im Laufe des Spiels erfüllen. So oder so ist der Weg dorthin mühsam und wird (gerade in den ersten Runden) wenig ertragreich sein.

Fazit
Heaven & Ale ist ein beeindruckendes Werk. Daran dürfte es nicht erst seit der Nominierung zum Kennerspiel des Jahres kaum Zweifel geben. Hier ist alles auf den Punkt gebracht, keine der Regeln wirkt aufgesetzt oder deplatziert. Die zu treffenden Entscheidungen sind niemals trivial, sondern fordern stets durchdachtes Vorgehen. Ständig befindet man sich in einer Zwickmühle, belauert die Mitspieler und bastelt an den eigenen Plänen. Auch nach dutzenden von Partien hat man das Gefühl, noch immer etwas lernen zu können. Mechanisch ist Heaven & Ale einfach rundum gelungen.

Dennoch ist Heaven & Ale kein Spiel, das mich wirklich gefesselt hat. Denn leider bleibt das Thema komplett aufgesetzt. Zu keinem Zeitpunkt fiebere ich mit meinen Mönchen mit, das Ende ist schlicht eine Herumrechnerei. Klar, das kann man vielen Spielen dieses Genres vorwerfen. Hier fällt dieses Empfinden (zumindest bei mir) aber sehr deutlich aus. Ein zweites Manko ist die enorme Lernkurve, die mit der Wertung einhergeht. Gerade in der ersten Partie ist es nicht unüblich, dass man am Ende gerade so die Marke von 0 Punkten überquert. Das liegt sicherlich nicht zuletzt an der eher ungewöhnlichen Endwertung, kann aber auf jeden Fall enorm frustrieren. Während sich manche Spieler dadurch angespornt fühlen, verweigern andere weitere Partien.

Keine Frage, Heaven & Ale ist ein wirklich gutes Spiel. Mir persönlich ist es aber eben doch zu trocken.


1 Kommentar:

  1. Das Spiel richtet sich nach der Anleitung auch ausschließlich an "Spielerinnen". Frechheit, so was.

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