Donnerstag, 12. Dezember 2019

Harry Potter - Kampf um Hogwarts


Wer kennt ihn nicht, diesen Satz: Genieße deine Schulzeit, wenn du erst erwachsen bist hast du keine Freizeit mehr. Ich fand diese Aussage schon als Kind doof und auch heute kann ich ihr nicht besonders viel abgewinnen. Einerseits spiele ich als Erwachsener viel mehr denn als Kind, wenn auch nicht immer genau das was ich will. Andererseits habe ich meine Schulzeit nie wirklich gemocht. Das mag aber auch an Fächern wie Mathe oder Bildende Kunst gelegen haben. Keine Ahnung was aus mir geworden wäre, wenn ich mich stattdessen an „Verteidigung gegen die Dunklen Künste“ oder „Pflege magischer Geschöpfe“ hätte versuchen dürfen. Finden wir‘s doch einfach raus, mit Harry Potter – Kampf um Hogwarts (Forrest-Pruzan Creative, K. Mandell, A. Wolf / Kosmos).


Eine Schule voller Bösewichte
Das erste Jahr in Hogwarts beginnt, wie die meisten ersten Schuljahre. Mit furchteinflößenden Lehrern und nervigen Mitschülern. Anders als in den meisten Schulen können wir uns hier allerdings tatkräftig zur Wehr setzen und sollten dies auch tunlichst machen. Denn um ein Jahr im Kampf um Hogwarts zu meistern, müssen wir stets mehrere Bösewichte besiegen. Im ersten Jahr sind das noch Crabbe, Goyle oder Prof. Quirrel, später stellen sich uns ganz andere Widersacher in den Weg. Alle davon machen uns auf die eine oder andere Weise das Leben schwer. Um sie loszuwerden müssen wir ihre Lebenspunkte auf null reduzieren. Aber keine Panik: Hier stirbt niemand. Spätestens im nächsten Schuljahr stellen sich uns die vermeintlich Besiegten erneut in den Weg.


Was tun, sprach Harry?
Für den Kampf stehen uns allerlei Zaubersprüche, Verbündete oder nützliche Gegenstände zur Verfügung. Zumindest irgendwann. Denn zu Beginn einer Partie sind wir wie alle Erstklässler: Ziemlich ahnungslos. Egal ob Harry, Hermine, Ron oder Neville, alle starten mit einem Deck aus 10 vergleichsweise schwachen Karten. Viele dieser Karten bringen Geld, womit wir aus der Auslage stärkere Karten kaufen und diese in unser Deck packen. So werden wir nach und nach immer mächtiger. Einige Karten zeigen Blitze, mit denen wir den Gegnern Schaden zufügen oder Herzen, mit denen wir uns heilen. Und das ist durchaus angeraten. Denn wenn uns die Lebenspunkte ausgehen sterben wir zwar nicht, aber auf den aktuellen Ort wird ein Dunkles Mal gelegt. Zu viele davon und wir müssen den Ort wechseln, was über kurz oder lang zur Niederlage führt. Karten der Dunklen Künste sorgen zudem für zusätzliches Ungemach, weshalb wir uns beeilen sollten.


Noch 6 Jahre zu meistern
Das erste Jahr dient in Hogwarts tatsächlich nur dazu, die grundlegenden Prinzipien zu verstehen. Entsprechend sollte der Sieg hier auch nicht lange auf sich warten lassen. Allerdings gibt es ja noch 6 weitere Jahre. Und in jedem Jahr dürfen wir eine der beiliegenden Boxen öffnen. Zumeist finden wir darin neue Orte, Verbündete, Zauber und Bösewichte. Ab und an kommt auch eine neues Spielelement hinzu. In allen Fällen steigt dadurch die Herausforderung spürbar und auch die Spielzeit nimmt von Mal zu Mal zu. Die Aufgabe ist allerdings stets gleich: Mausert euch vom kleinen Zauberschüler zum wahren Auror und vertreibt alle Widersacher aus der Schule.


Fazit
Keine Frage: Harry Potter – Kampf um Hogwarts hat eine extrem zugkräftige Lizenz, die hier zudem sehr atmosphärisch umgesetzt wurde. Viele Käufer werden nur aufgrund des Themas zugreifen und sich das Grinsen nicht verkneifen können, wenn sie einen „Dementor“ mit einem "Expecto Patronum" vertreiben. Umso glücklicher bin ich darüber, dass es sich tatsächlich auch um ein gutes Spiel handelt. Für erfahrene Spieler ist der Einstieg vielleicht etwas simpel, die Aktionen zu überschaubar. Dafür kommen aber selbst unerfahrene Spieler gut in das System hinein und können über die weiteren Schuljahre langsam hineinwachsen. Das ist wirklich gelungen. Gerade an den letzten Jahren haben zudem auch Experten zu knabbern. Was hier an Gegnern und Wechselwirkungen aufgefahren wird, das muss erst mal gemeistert werden.

Dass es am Ende dennoch nicht für eine ZAG-Bewertung „Ohnegleichen“ ausreicht, das liegt an den durchaus vorhandenen Schwächen. Dass der Spielverlauf und der Schwierigkeitsgrad sehr stark vom Glück abhängen, das kann ich dabei durchaus noch verzeihen. Auch die thematischen Schwächen fand ich jetzt nicht so fatal. Dann muss ich den Basilisken eben immer wieder töten und der eine oder andere Gegenstand taucht im falschen Jahr auf. Geschenkt. Was mich aber tatsächlich stört ist, dass die Partien am Ende immer länger werden ohne wirklich etwas Neues zu bieten. In den insgesamt sieben Jahren kommen kaum neue Elemente ins Spiel, dafür aber immer mehr Gegner. Da diese stets zusammengemischt werden, dauert das Besiegen von mal zu mal länger. Am Ende sind da durchaus 2 Stunden Spielzeit drin. Zudem wird bei der großen Zahl an Effekten gerne mal etwas vergessen. Gerade die letzten Jahre waren für mich dadurch unnötig lang, organisatorisch aufwändig aber inhaltlich nicht viel spannender als das Erste.

Dennoch empfinde ich den Kampf um Hogwarts durchaus als gelungen, gerade in den Jahren 3 bis 5. Hier stehen Spieldauer, Herausforderung und Variation in einem guten Verhältnis. Schade, dass dieses hohe Niveau nicht über das gesamte Spiel gehalten wird.



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