Montag, 7. Dezember 2015

Steam Time



Wer wollte nicht schon mal Stonehenge besuchen, auf die Pyramiden klettern oder mit Benjamin Franklin Drachen steigen lassen? Doch so eine Zeitmaschine ist ja leider nicht gerade an jeder Häuserecke zu finden. Versteht sich ja auch von selbst, Zeppeline sind dafür einfach viel zu groß. Und augenscheinlich braucht man genau diese, um erfolgreich durch die Zeit reisen zu können.

Und so setzen wir in Steam Time (Rüdiger Dorn / Kosmos) unsere Luftschiffe auf allerlei Aktionsfeldern ein, um über Aufträge, historische Personen und geschichtsträchtige Orte dann doch wieder haufenweise Punkte abzustauben. 


 

 
Unsere eigene Flotte
Als erfolgreiche Zeitreisende stehen in Steam Time jedem Kapitän drei Zeppeline zur Verfügung. Darüber hinaus bekommt jeder Spieler eine Luftschifftafel, auf der allerlei Bereiche den technologischen Fortschritt erfassen. All das ist aber nur Mittel zum Zweck. Spannend ist vielmehr der zentrale Spielplan, dessen Kern aus mehreren historischen Örtlichkeiten (etwa der Großen Mauer und den Pyramiden) besteht. Deren Reihenfolge variiert von Spiel zu Spiel und ändert sich auch in dessen Verlauf. Zu finden sind darauf reichlich Aktionsfelder, die wir mit Hilfe unserer Zeppeline aktivieren


Lineare Zeitreisen
An dieser Stelle kommt das erste spannende Element von Steam Time ins Spiel. Denn all die genannten Regionen können nicht etwa nach Belieben besucht werden. Vielmehr liegen sechs davon in einer Reihe aus. Platziere ich einen Zeppelin, muss dieser in einer späteren Reihe liegen als die vorab von mir verwendeten. Damit entsteht fast zwangsläufig ein gewisser Zwang, gerade wenn lukrative Felder erst spät erreichbar sind und eventuell von den Mitspielern weggeschnappt werden können.

Die Aktionsfelder
Wer sich am Ende für eines der Aktionsfelder entscheiden konnte, der stellt dort seinen Zeppelin ab und erhält die entsprechende Belohnung. So kann der Spieler etwa sofort Geld einsammeln oder sein Schiff mit Technologie aufrüsten, die fortan jede Runde einige Boni liefert. Alternativ bieten Auftragskarten am Spielende Siegpunkte, vorausgesetzt ihre Bedingungen wurden erfüllt. Richtig spannend wird es aber beim Kristall-Aktionsfeld. Dort lassen sich verschiedenfarbige Kristalle erwerben, um sie in unser Luftschiff einzubauen, wo sie für Schiffsausbauten oder siegpunkträchtige und lukrative Expeditionen benötigt werden. Und genau hier wird es mal wieder kritisch. Denn einerseits kosten viele der spannenden (und punkteträchtigen) Aktionen Kristalle, andererseits bieten uns diese aber auch Vorteile, wenn sie im Schiff verbaut wurden.


Boni
Denn für jede der möglichen Aktionen erhält der Spieler verschiedene Boni, wenn er über ausreichend Kristalle der entsprechenden Farbe in seinem Luftschifftableau verfügt. So gibt es etwa mehr Geld, zusätzliche Siegpunkte oder sogar einen Extrazug. Mit jedem Kauf und mit jedem abgegebenen Kristall reduzieren wir also automatisch auch wieder die potentiellen Boni der verschiedenen Aktionen.

Module
Obwohl wir zwar durchaus in der Lage sind durch die Zeit zu reisen, scheint diese doch recht knapp zu sein. Und so stehen uns nur insgesamt fünf Runden zur Verfügung, um möglichst viele Punkte zu sammeln. Und wem das dann doch zu einfach wird, der kann zu den beiliegenden Modulen greifen. Denn mit der Sabotage und den Spezialisten kann das Spiel noch einmal um einige Elemente aufgewertet werden und wir bekommen etwa spezielle Charaktere mit allerlei Sonderfähigkeiten, die uns auf der Reise begleiten.


Fazit
Steam Time ist in weiten Teilen ein klassisches Worker-Placement Spiel, das allerdings mit einem innovativen Thema aufwartet. Die Idee der Zeitreisen, das Besuchen antiker Ruinen und historischer Persönlichkeiten… all das klingt spannend und macht wirklich Lust auf das Entdecken des Spiels. Leider sehe ich gerade hier auch eher eine Schwäche, denn das Thema bleibt doch sehr oberflächlich. Die Geschichte ist allenfalls schmückendes Beiwerk und weiß zu keinem Zeitpunkt zu fesseln. Möglicherweise liegt dies zumindest teilwiese an den comicartigen Grafiken, die ebenfalls nicht so recht zum Steampunk-Thema passen wollen. Hier wurde für mein Empfinden eine Chance vergeben.

Und dennoch ist Steam Time alles andere als ein schlechtes Spiel. Vielmehr ist es sogar ein recht gelungenes Werk für erfahrenere Spieler. Die Mechanismen sind gut verzahnt, die Entscheidungen nie trivial und gerade in Vollbesetzung entfaltet auch der Setzmechanismus durchaus einen besonderen Reiz. Insbesondere die Tatsache, dass Kristalle einerseits eine Art Währung sind, andererseits aber auch für Boni gesammelt werden müssen, sorgt für stete und spannende Zwänge. Obendrein passt die Zusammenstellung der Elemente und die Partien machen durchweg Spaß.

Damit ist Steam Time ein durchaus empfehlenswertes Spiel, das aber leider das spannende Thema nicht wirklich ausreizt.

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