Montag, 15. Juni 2020

Kurz gefasst 4.20


Escape-Spiele gibt es inzwischen seit Jahren, nicht nur in Corona-Zeiten erfreuen sich heimische Rätselspiele enormer Beliebtheit. Neben den bekannten Platzhirschen versuchen dabei auch immer wieder neue Systeme, ihre Nische im Markt zu finden. Mystery House von Schmidt Spiele punktet dabei mit einem beeindruckenden Aufbau, Das geheimnisvolle Grand Hotel setzt dagegen auf eine Kriminalgeschichte. Ob das allerdings ausreicht um Der Friedhof der Finsternis, einem neuen Teil der Exit-Reihe, Konkurrenz zu machen, das bleibt abzuwarten.






Das geheimnisvolle Grand Hotel (Moses)

Das Grand Hotel öffnet seine Pforten. Wer hier nun eine rauschende Party erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen gilt es direkt am ersten Tag einer Intrige auf die Spur zu kommen. Dazu müssen wir ganze 9 Türen öffnen, jede davon offenbart uns einen Teil der Geschichte sowie ein neues Rätsel. Der Verlauf ist dabei streng linear aufgebaut, stets führt uns die Lösung zur nächsten Tür. Wie es sich gehört, ist eine Lösungshilfe enthalten und auch beim Material hat der Moses-Verlag zumindest ordentliche Qualität in die Packung gelegt. Die Regel empfiehlt für die Stimmung zudem passende Kleidung und Musik, das Spiel ist den Aufwand allerdings nicht wirklich wert.



Ich falle direkt mit der Tür ins Haus (haha): Die Packungsangabe mit 90 Minuten und 3 bis 8 Spielern ist ein schlechter Witz. Die Rätsel sind im Wesentlichen eine bunte Mischung gängiger Rätselhefte, Innovativ ist hier gar nichts. Die meiste Zeit ging entsprechend für das Vorlesen der Geschichte drauf, insgesamt haben wir knapp 45 Minuten benötigt. Und dabei haben wir teilweise unnötig lang gegrübelt, weil die Lösung uns viel zu offensichtlich erschienen ist. Selbst zu dritt saß dabei fast immer ein Spieler dekorativ daneben und hatte nichts zu tun, wie das Spiel zu acht läuft, will ich mir gar nicht vorstellen. Das Spiel funktioniert, gehört aber zu den schwächeren Vertretern seiner Art.



Mystery House (Antonio Tinto / Schmidt)

Mystery House wagt einen neuen Ansatz der Escape-Spiele: Einen dreidimensionalen Aufbau. Denn vor den Spielern erstreckt sich ein Gebäude in das diverse Pappelemente eingefügt werden, während wir seitlich in den Aufbau schauen. Durch Fenster und Türen sieht man verschiedene Rätsel und Elemente, eine App erlaubt mit diesen zu interagieren. Lösen wir Aufgaben, werden manche der Pappelemente entfernt und geben den Blick auf neue Elemente frei. Auf diesem Weg puzzeln und rätseln wir uns in Richtung Zentrum, um die beiden enthaltenen Missionen zu lösen.



Als ich erstmals einen Blick auf Mystery House werfen konnte, war mein Interesse sofort geweckt. Endlich mal ein Escape-Spiel mit einer neuen Idee. Nur leider ist nicht wirklich jede Idee gut. In diesem Fall ist sie sogar richtiggehende misslungen. Zum einen funktioniert der Blick in das Gebäude nicht wirklich. Ständig dreht und wendet man das Gebilde, ohne wirklich einen Überblick zu bekommen, nutzt die Taschenlampe und blendet damit die Mitspieler oder probiert wahllos irgendwelche Vorgehensweisen aus. Und das ist dann schon das nächste Problem. Denn die App nervt einfach nur. Quasi jeder Schritt muss hier eingegeben werden, was genau gesucht ist bleibt aber häufig unklar. Wenn ich einen Raben sehe, dann muss ich in der App auch Rabe anklicken. Klicke ich dagegen auf Vogel: Strafe. Benötige ich für eine Lösung einen Schlüssel, nutze aber den falschen: Strafe. Und das, während ich aufgrund des Aufbaus viele Gebilde und Gegenstände kaum erkennen kann. Ungerecht, frustrierend und was die Rätsel angeht leider auch alles andere als spannend.



Der Friedhof der Finsternis (Inka & Markus Brand / Kosmos)

Was soll man zu Exit-Fällen überhaupt noch schreiben? Inka & Markus Brand haben vor Jahren einen Standard im Genre der Escape-Spiele etabliert und seitdem legen sie die Latte stetig höher. Der Friedhof der Finsternis gehört dabei zwar nicht gerade zu den stärksten Fällen, dennoch hatten wir einmal mehr sehr viel Spaß. Dass man dabei überhaupt bemerkt, wenn einzelne Rätsel mal etwas schwächer ausfallen, spricht ganz klar für die Reihe. Einzig an der Geschichte könnte nach wie vor gearbeitet werden, die hat uns einmal mehr komplett kalt gelassen. Gerade einen übergeordneten Handlungsstrang haben wir in vorherigen Ausgaben schon besser gesehen. Entsprechend keiner der herausragenden Fälle, qualitativ aber dennoch Lichtjahre vor den anderen hier vorgestellten Spielen. 


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