Mittwoch, 25. April 2018

Die Quacksalber von Quedlinburg


Den Mythos, jeder Mensch esse im Laufe seines Lebens rund 50 Spinnen im Schlaf, kennen wohl die meisten von euch bereits. Und wem jetzt bereits ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen ist, der sollte besser aufhören zu lesen. Denn das ist gar nichts. In „Die Quacksalber von Quedlinburg“ (Schmidt / Wolfgang Warsch) geben wir uns nämlich nicht mit Spinnen zufrieden. Auch Totenkopffalter, giftige Pilze und Geisteratem finden den Weg in unser Gebräu. Doch einen Trost gibt es. Denn selbst trinken müssen wir unser Gesöff glücklicherweise nicht.







Den Kessel füllen
Als Anfänger in der hohen Kunst der Quacksalberei stehen uns zu Beginn nur einige wenige Zutaten zur Verfügung. Ein Kürbis, ein mickriges Spinnenbein und ein ganzer Berg Knallerbsen. Viel kann man damit zwar nicht anfangen, für den Start muss es aber ausreichen. Denn all diese Zutaten schütten wir in einen Beutel und ziehen sie im Anschluss, Zutat für Zutat, wieder heraus. Was gezogen wird landet im eigenen Kessel, je hochwertiger die Zutat desto mehr Schritte dürfen wir dabei zurücklegen. Das Gemeine: Knallerbsen. Denn gerade die häufigste Zutat ist alles andere als bekömmlich. Ziehen wir zu viele davon, explodiert der Kessel. Also besser rechtzeitig aufhören. Aber das ist leichter gesagt als getan. Denn je weiter wir im Kessel vorankommen, desto lukrativer die kommende Phase. 

 

Es kocht hoch
Sind uns alle Kessel um die Ohren geflogen (oder waren die Spieler clever genug, vorher aufzuhören) folgt die Auswertung. Im Wesentlichen werden die Spieler hier für das Voranschreiten im Kessel und passendes Platzieren der Zutaten belohnt. Wer seinen Kessel gesprengt hat bekommt zwar weniger, wirklich dramatisch ist das aber nicht. Am spannendsten ist zweifelsfrei das Kaufen neuer Zutaten. Denn nun können wir unser Einkommen in weitere Ingredienzien investieren, die im Anschluss im Beutel landen. Und da bietet QvQ so einiges. 7 verschiedene Zutaten gibt es in jeder Partie, 4 verschiedene Sets stehen zur Verfügung. So können wir allerlei Boni erhalten, Zutaten für kommende Runden aufsparen, unser Risiko minimieren oder schlicht schneller im Kessel vorankommen. Zumindest, wenn wir die richtigen Zutaten im richtigen Moment ziehen. 


Noch ein paar Rattenschwänze
Die Zusammenstellung unserer Zutaten stellt damit ganz klar den wesentlichen (und spannendsten) Teil des Spiels dar. Dennoch gibt es auch darüber hinaus so einiges zu beachten. Dazu gehören etwa die Ereigniskarten, die das Spiel jede Runde leicht variieren. Auch die Rattenschwänze sollten nicht ignoriert werden. Denn wer auf der Punkteleiste hinten liegt, der darf vorab einige davon in den Kessel werfen und bekommt damit einen kleinen Ausgleich. Dazu kommen Rubine, ein Trank der Knallerbsen zurück in den Beutel befördert und eine Kenner-Variante mit zusätzlichen Optionen. Reichlich zu entdecken also und viele Möglichkeiten einen Trank zu brauen.


Fazit
Wolfgang Warsch liefert hier (nach „The Mind“) direkt sein nächstes Bravourstück ab. Denn die Quacksalber überzeugen fast auf ganzer Linie. Mit jedem gezogenen Chip wird mitgefiebert, jede Kaufentscheidung wird genau abgewogen, Runde für Runde kochen Emotionen wie Kessel gleichermaßen hoch. So viele kleine, emotionale Momente in einem Spiel, das beeindruckt. Zugleich verlaufen die Spielzüge (wenn man nicht gerade die Variante „zeitgleiches Ziehen“ wählt) in hohem Tempo, Pausen gibt es fast keine. Auch der Frustfaktor wird in engen Grenzen gehalten. Rattenpunkte dienen dem Ausgleich, ein explodierter Kessel wirkt sich allenfalls am Ende wirklich dramatisch aus. Und auch nach dutzenden Partien wird das Spiel nicht langweilig, die 4 Sets und die Kesselrückseiten bieten einiges an Abwechslung

Dennoch kann auch bei den Quacksalbern hier und da etwas Frust aufkommen. Insbesondere dann, wenn das Pech überproportional zuschlägt. Wenn man ständig nur Knallerbsen zieht, hilft auch der beste Ausgleich nichts. Zudem gestaltet sich der Einstieg (gemessen am eigentlich simplen Spiel) teilweise etwas holprig. Obwohl der Verlauf (einmal verstanden) sehr flott ist, benötigt es im Vorfeld doch einige Regeln und Spielelemente, die erst einmal verinnerlicht werden müssen. Zuletzt haben uns auch die schwarzen Chips (wer am meisten davon im Kessel hat, darf sein Startfeld nach vorne verschieben) nicht gerade gut gefallen. Diese sorgen zwar für etwas Interaktion, sobald ein Spieler diese kauft, müssen die anderen Spieler aber fast zwangsläufig nachziehen. Zu stark erscheint ansonsten der Effekt, wenn ein Spieler allein den Bonus wiederholt abgreift. Leider ist genau dieser Chip in jedem Set identisch, was ich auch nicht wirklich nachvollziehen kann.

Dennoch muss ich klar sagen, dass die Nachteile schlussendlich kaum ins Gewicht fallen. Die Emotionen und die anhaltende Spannung überwiegen einfach. Und das auch noch nach Dutzenden von Partien.


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