Montag, 22. April 2013

Rondo

Ohne Ecken und Kanten
Die Floskel „das Spiel hat Ecken und Kanten“ gehört nicht unbedingt zu jenen, die Autoren und Verlage am Ende einer Review gerne lesen, bevorzugen sie doch meist ein durchweg „rundes“ Spiel. Mit seinem neuen Werk RONDO (Schmidt Spiele), setzt Dr. Reiner Knizia nun auch in diesem Bereich neue Maßstäbe. So wenige Ecken fanden sich noch selten in einem Spiel. Die Grafik des Spielplans: rund. Die einzusetzenden Spielchips: rund. Die Punktezählsteine: rund. Es fehlt eigentlich nur eine runde Box um das Gesamtbild abzurunden (man beachte das geniale Wortspiel).

In Rondo platzieren abwechselnd 2 bis 4 Spieler (ab 8 Jahren) ihre wunderschön gestalteten Plastikscheiben auf den Zahlenfeldern des Spielplans. Bei geschicktem Platzieren hagelt es dabei Punkte, welche man zum Spielsieg benötigt.


Runde Regeln,…
Rondo wird auf einem Spielplan gespielt, der im ersten Moment an ein Rad mit mehreren Speichen erinnert. Dieses Rad besteht aus nummerierten Feldern in 5 verschiedenen Farben. Auf diese Felder platzieren die Spieler Runde für Runde farblich dazu passende Scheiben und schreiben sich die abgebildete Nummer als Punkte gut. Dabei dürfen wir nur auf Felder legen, welche an eine bereits liegende Scheibe oder das Spielplanzentrum angrenzen. Platzieren wir in einer Runde eine (oder mehrere) Scheiben, ziehen wir eine weitere nach. Alternativ können wir uns entscheiden, keine Scheibe zu platzieren und stattdessen 2 Neue nachzuziehen. Erreichen wir dabei unser Maximum von 5 Scheiben, müssen wir im nächsten Zug mindestens eine davon Spielen.
Bis zu diesem Punkt bietet Ronde wenig Neues oder gar Kreatives. Etwas Abwechslung kommt über 2 weitere Legeregeln ins Spiel. Einerseits dürfen wir Scheiben auch auf Felder einer nicht passenden Farbe legen. In diesem Fall wird die Scheibe falsch herum platziert und bringt keine Punkte. Sie ermöglicht aber den Zugriff auf die folgenden Felder und blockiert das belegte Feld. Andererseits dürfen auf ein leeres Feld beliebig viele passende Scheiben gelegt werden, die alle gewertet werden. Dies lohnt sich natürlich besonders bei den punkteträchtigen Feldern am äußeren Rand des Spielplans.

…rundum gut?
Rondo spielt sich durchweg gemütlich. Gerade zu Spielbeginn liefern die Felder noch wenige Punkte und dienen zumeist als Übergang zu den spannenderen Randfeldern. Entsprechend zieht man erst einmal fleißig auf 5 Scheiben auf und wagt sich nur langsam voran, um keine Vorlagen zu liefern. Sobald der innere Bereich allerdings überbrückt ist, gilt es Punkte zu sammeln. An dieser Stelle bietet Rondo durchaus die eine oder andere Entscheidungsmöglichkeit. Lege ich meine gelben Scheiben jetzt auf das 3er Feld oder hoffe ich auf die 5 einige Felder weiter? Opfere ich eine Scheibe um damit ein Feld zu überbrücken oder dem Mitspieler vorzuenthalten? Versuche ich, viele Scheiben einer Farbe zu sammel um damit dick zu Punkten oder bleibe ich lieber flexible?

Rondo ist das, was heutzutage so gerne mit „Familienspiel“ umschrieben wird. Die Regeln sind durchweg einfach und schnell verstanden, die dabei zu treffenden Entscheidungen sehr direkter Natur aber nicht trivial. Das Spielmaterial überzeigt auf ganzer Linie und fordert auch Spielemuffel zu einem zweiten Blick auf. Das zweiseitige Spielbrett biete zusätzlichen Spielreiz und Abwechslung. Das Rondo dabei nicht für erfahrene Vielspieler konzipiert wurde überrascht an dieser Stelle wohl niemanden mehr. Die Entscheidungen sind, wenn auch nicht trivial, für erfahrene Spieler leicht zu durchschauen. Langfristige Strategien sind, aufgrund des zufälligen Nachziehens der Scheiben, nur sehr bedingt möglich. Trotzdem: Wenn am Wochenende mal wieder ein Spieleabend mit der Familie ansteht, stellt Rondo eine echte Alternative dar. Auch wenn das Spiel wohl kaum je eine Chance haben wird, im Kreise meiner Vielspielerkollegen auf dem Tisch zu landen, ziehe ich es doch einer ganzen Zahl alternativer „Spiele für die ganze Familie“ vor. Und dies nicht nur wegen der sehr gelungenen Aufmachung.

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