Donnerstag, 2. Juni 2016

Ashes: Aufstieg der Phönixmagier



Am Anfang waren Sammelkartenspiele. Und die Spieler stürzten sich darauf, rissen haufenweise Packungen auf und gaben immer mehr Geld für Karten aus, die sie dann doch nicht gebrauchen konnten. Doch dann kam die Lösung: Living-Card-Games. Nun gaben die Spieler zwar noch immer viel Geld aus, aber jeder wusste genau wofür. Und alle waren glücklich. Naja, fast alle. Denn je mehr LCG’s es gab, desto mehr lechzten die Spieler nach neuen Ideen. Und wenn eine solche auch nach langem Grübeln ausbleibt, dann greifen wir doch auf bekannte Methoden zurück und packen einfach Würfel in ein LCG. Und alle sind glücklich.

Auch wenn es bis hierhin vielleicht nicht so klingt: Aber Ashes (Isaac Vega / Asmodee) fühlt sich alleine durch die Verwendung von Würfeln sehr frisch an. Und natürlich wartet das Spiel auch mit einigen anderen und spannenden Ideen auf.


Die Phönixmagier
In Ashes übernimmt jeder Spieler die Kontrolle über einen der sechs beiliegenden Phönixmagier und das entsprechende Kartenset. Mit steigender Erfahrung können die Karten dabei zwar individuell zusammengestellt werden, die enthaltenen Sets sind allerdings durchaus schlagkräftig und spannend zu spielen. Abseits von den Decks unterscheiden sich die Magier auch durch die Zahl der Lebenspunkte sowie Angaben, wie viele Karten auf das Schlachtfeld sowie ins Zauberarsenal gespielt werden dürfen. Außerdem verfügt jeder Phönixmagier über eine spezielle Fähigkeit und einen individuell zusammengestellten Satz an Würfeln. Spätestens hier dürfte klar sein, dass bereits diese Entscheidung wegweisend für den weiteren Spielverlauf ist. Bevor wir allerdings beginnen, müssen wir noch das Beschwörungsdeck bereitlegen und fünf beliebige Karten als Starthand wählen.


Los geht‘s
Nun kann der Kampf beginnen. Dabei startet eine neue Runde stets, indem alle Spieler ihre verfügbaren Würfel werfen. Diese zeigen jeweils drei verschiedene Symbole, eines davon ein allgemeines Magiesymbol, zwei weitere je nach Würfel. In der folgenden Aktionsphase benötigen wir diese Symbole als Währung um damit allerlei Aktionen auszuführen. Stets dürfen wir in unserem Zug eine Hauptaktion sowie eine Nebenaktion ausführen, danach ist der Mitspieler an der Reihe. Dieses Prozedere wiederholt sich, bis beide Spieler nichts mehr unternehmen können oder wollen und eine neue Runde beginnt.

Aktionen
Gerade zu Beginn des Spiels werden die meisten Aktionen und die meisten Würfel dafür verwendet, neue Karten ins Spiel zu bringen. Je nachdem ob es sich dabei um eine Kreatur oder einen Zauber handelt, wird er in den entsprechenden Bereich gelegt sofern das Limit dort noch nicht überschritten ist. Als Aktion gilt zumeist auch das Beschwören einer Kreatur aus dem separaten Beschwörungsdeck mithilfe spezieller Zauberbuchkarten oder das Nutzen von verschiedenen Fähigkeiten. Nebenaktionen dienen dagegen zumeist dem Manipulieren der eigenen Würfel oder der Aktivierung schwächerer Kreatur-Eigenschaften.


Angriff
Da es unser vorrangiges Ziel ist, den gegnerischen Magiern alle Lebenspunkte zu nehmen, gilt natürlich auch der Angriff als Aktion. Dabei bestimmen wir beliebig viele unserer Kreaturen, deaktivieren sie und greifen ein  gegnerisches Ziel an. Handelt es sich dabei um den Phönixmagier, dürfen sich gegnerische Einheiten schützend davor stellen. So oder so wird im Anschluss Schaden ausgeteilt. Der Angreifer fügt stets Schaden zu, die Verteidiger müssen dazu ebenfalls deaktiviert werden und stehen damit für diese Runde nicht mehr zur Verfügung. Natürlich verfügen die Kreaturen über allerlei nützliche Fähigkeiten und können etwa heilen, zuerst zuschlagen oder weiteren Zielen Schaden zufügen. Wenig überraschend gewinnt der Spieler, der alle anderen Phönixmagier auf null Lebenspunkte reduzieren konnte.


Fazit
Wenn heute ein neues Living-Card-Game auf den Markt kommt, stellt sich fast unweigerlich eine Frage: Warum? Denn immerhin gibt es inzwischen schon dutzende Spiele dieser Art und es liegt in der Natur der Sache (sprich: der anfallenden Kosten), dass man sich als Spieler nur einen Teil davon leisten kann. Um eben jener Teil zu sein, muss man sich schon etwas Neues einfallen lassen. Und im Falle von Ashes sind das auch (aber nicht nur) die Würfel. Und was bei mir Anfangs für Nervosität gesorgt hat, entpuppt sich tatsächlich als spielerisch sehr gelungen. Mit überschaubarem Glücksanteil kommt hier ein spannendes Element der Ressourcenverwaltung hinzu. Aber auch die eher unscheinbare Regel die Starthand nach Belieben wählen zu können, hat mir persönlich sehr gut gefallen. Dazu noch kleine Besonderheiten im Kampf und schon hebt sich Ashes spürbar von vergleichbaren Werken ab.

Auch darüber hinaus gefällt Ashes mir persönlich sehr gut. Die Grafik ist gelungen, sechs Charaktere mit grundverschiedener Spielweise sorgen für Abwechslung und kurze Aktionen ermöglichen einen zumeist flotten Spielverlauf ohne größere Wartezeiten. Auch die Möglichkeiten eigene Decks zu erstellen oder mit einer Draft-Regel zu spielen sorgen langfristig für Reiz, als notwendig habe ich das bislang allerdings noch nicht empfunden.

Bis hierhin also alles super. Und doch gibt es eine wesentliche Einschränkung für das Geschriebene. Denn all dies trifft insbesondere auf das Spiel zu zweit zu. Denn Ashes richtet sich, anders als auf der Packung angegeben, ganz klar an diese Spielerzahl. Varianten für mehr Spieler sind nicht enthalten, ab drei Teilnehmern wird einfach so lange aufeinander eingeprügelt bis nur noch ein Spieler steht. Dass das besser geht, hat bereits vor vielen Jahren Magic – The Gathering mit reichlich Varianten gezeigt. Ohne eine solche Variante flacht das Spiel dann aber eben stark ab, verschiedene Fähigkeiten oder gar Phönixmagier funktionieren nur bedingt und am Ende prügeln doch alle immer auf den Führenden. Hier wurde leider viel Potential verschenkt, mit mehr als zwei Spielern ist Ashes schlicht nicht zu empfehlen.

Dementsprechend gibt es an dieser Stelle von mir zwar ein durchaus positives Gesamtfazit, allerdings eben mit starken Einschränkungen bezüglich der Spielerzahl. 


Kommentare:

  1. Hast du denn auch Decks gebaut inzwischen oder nur die Standarddecks gespielt?

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    1. Decks bauen kann man das kaum nennen. Ich habe einzelne Karten ausgetauscht, die ich nicht so gut fand. Für dramatische Veränderungen fehlen aktuell wohl auch noch einige Karten. Davon abgesehen, bieten die enthaltenen Decks mir noch genug Abwechslung.

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