Montag, 13. März 2017

Great Western Trail



Isly of Skye, Broom Service oder Mombasa… Alexander Pfister scheint gerade einen Lauf zu haben. Regelmäßig haut der österreichische Spieleautor ein Highlight nach dem anderen raus. Entsprechend hoch waren auch schon im Vorfeld die Erwartungen an Great Western Trail (Eggertspiele / Pegasus). Und das Beste. All die Erwartungen wurden erfüllt.

Einmal mehr wird auch im neuen Werk alles von den Spielern abverlangt. Denn auch wenn sich alles um das Thema Viehtrieb dreht, sind die Optionen und Vorgehensweisen doch enorm vielfältig.





Der Viehtrieb
Der wesentliche Teil einer Partie Great Western Trail findet auf dem zentralen Plan statt, der (unter anderem) eine Route von Texas nach Kansas City zeigt. Anfänglich ist diese Route noch recht leer, weshalb wir mit unserer Figur schnell vorangekommen, wenn wir sie jede Runde um einige Felder bewegen. Glücklicherweise finden sich dennoch von Anfang an einige Gebäude auf dem Weg, deren Aktion wir auslösen, sobald wir sie betreten. So kommen wir etwa an Geld, bewegen unsere Lock, heuern Arbeiter an oder verbessern unsere Rinderherde. Insbesondere Letztgenanntem kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. 


Kansas City
Haben wir uns die gesamte Route entlang bewegt, erreichen wir Kansas City. Und dort liefern wir nun unsere Rinderherde ab, die in Form eines Kartendecks vorliegt. Deren Wert hängt dabei von der Höhe der Handkarten ab, wobei jede Art Rind nur einmal in die Wertung kommt. Es lohnt sich also, im Laufe der Partie besser Rinder für unser Deck zu erwerben und im Laufe der Reise die eher günstigen oder doppelten Exemplare zu ersetzen. Doch genügt das nicht allein. Denn sobald wir in Kansas City sind, bekommen wir zwar Geld gemäß des Wertes unserer Herde, der weitere Lohn ist aber vom Ausbau unserer Eisenbahn abhängig. Lukrative Städte sind dabei schwerer zu erreichen und benötigen einiges an Vorabreit. Haben wir unsere Herde allerdings abgeliefert, beginnen wir (nach einigen Verwaltungsschritten) den Viehtrieb direkt wieder von vorne. Nur diesmal hoffentlich mit etwas mehr Geld, einer lukrativeren Herde und mehr potential für viele Punkte.


Ausbau
Zusätzlich zum zentralen Spielplan verfügt jeder Spieler über sein eigenes Ausbautableau sowie einen Satz eigener Gebäude. Hierüber steuern wir einerseits den persönlichen Fortschritt und manipulieren andererseits die Route nach Kansas gemäß unseren Wünschen. Allerdings benötigen wir für all das Arbeiter. Dabei ermöglichen uns Cowboys, schneller an bessere Rinder zu kommen. Ingenieure helfen dagegen beim Ausbau der Eisenbahn und Handwerker beim Bau von Gebäuden. Genau jene setzen wir, genug Arbeiter und Geld vorausgesetzt, auf den Spielplan. Dort dienen sie uns als Anlaufstelle für bessere Aktionen, während sie zugleich die Bewegung der Mitspieler verlangsamen oder diesen sogar Geld aus den Rippen leiern. Abseits davon finden wir auf unserem Tableau auch noch allerlei Marker, die wir beim Abliefern der Rinderherde auf den Plan legen dürfen, wodurch wir etwa mehr Handkarten oder eine schnellere Bewegung erhalten.


Punkte
Mit jeder abgelieferten Herde nähert sich das Spielende und damit auch die Bewertung des Geleisteten. Nun gibt es Punkte für die Herden, für Gebäude sowie für Fortschritte beim Bau der Eisenbahn. Obendrein werden nun auch unterwegs erfüllte Auftragskarten sowie einige weitere Faktoren honoriert. Das Ende bietet dementsprechend fast so viele Möglichkeiten wie der Spielverlauf selbst. Nur eines ist immer klar. Wer die meisten Punkte hat, der gewinnt.

Fazit
Dass Great Western Trail ein absolutes Highlight für erfahrene Spieler ist, das habt ihr sicherlich schon an der einen oder anderen Stelle gelesen. Und auch wenn ich gerne immer mal wieder der Spielverderber bin, kann ich mich in diesem Fall der Mehrheit einfach nur anschließen. Die Vermischung und Verzahnung so vieler Spielelemente, vom Deckbau bis zum Aufbauspiel, ist hier in wirklich beeindruckender Form gelungen. Nicht viele Spiele fühlen sich so direkt, so schnörkellos an, obwohl doch so viele Optionen und Möglichkeiten geboten werden. Dazu sind die eigenen Züge üblicherweise kurz, Wartezeiten sind selten. Auch nach vielen Partien bleiben dabei noch immer neue Strategien, andere Vorgehensweisen und neue Optionen. Die verschiedenen Gebäudeseiten hätte es dazu gar nicht gebraucht, werden aber gerne genommen.

Dennoch muss natürlich klar gesagt werden, dass der Einstieg in Great Western Trail alles andere als einfach ist. Zu vielfältig sind die Spielelemente, um dabei schon von Beginn an einen Überblick zu haben. Bis sich hier die nötige Routine bildet, werden schon mehrere Partien und einige Blicke in das stellenweise etwas überfrachtete Regelheft benötigt. Zudem hatten wir ab und an in Partien zu zweit das Gefühl, dass der Verlauf doch sehr solitär und stellenweise sogar repetitiv ist. Allerdings geschieht dies nur in Ausnahmefällen und insbesondere dann, wenn keiner der Spieler aktiv Gebäude baut. In solchen Fällen können sich die einzelnen Runden sehr ähneln und die Spannung leidet etwas. Allerdings sind das eben auch Ausnahmen und damit ist das schon Jammern auf sehr hohem Niveau.

Great Western Trail ist damit für mich schlicht eines der Highlights des Spielejahrganges.

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