Freitag, 23. August 2019

Der Herr der Ringe: Reise durch Mittelerde


Weite, unerforschte Landschaften, schneebedeckte Hügel und romantische kleine Städtchen wechseln sich mit beeindruckenden Ruinen und dunklen Wäldern ab. Hier wird für jeden Reisenden etwas geboten, ob man nun neue Kulturen kennenlernen oder lieber am Strand relaxen will. So eine Reise durch Mittelerde (Nathan I. Hajek & Grace Holdinghaus / Asmodee) kann eigentlich jedem Touristen nur ans Herz gelegt werden. Störend ist eigentlich nur das fehlende Internet. Denn ohne passende App kommt man hier nicht weit.







Eine App Sie zu knechten…
„Es ist eine gefährliche Sache, Frodo, aus deiner Tür hinauszugehen. Du betrittst die Straße, und wenn du nicht auf deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie dich tragen.“ (J.R.R. Tolkien).
Nun, im Falle von Reise durch Mittelerde wissen wir zumindest Eines: Ohne App brauchen wir die Tür erst gar nicht öffnen. Denn ohne App geht hier schlicht nichts. Die App regelt den Aufbau, sie erzählt die Geschichte und übernimmt Spielleitung, Gegner und selbst die Verwaltung der Ausrüstung. Bevor wir also auch nur einen Fuß nach Mittelerde setzen, greifen wir erst mal zu Handy oder Tablett. Auf diesem Weg bekommen wir eine kurze (missionsübergreifende) Geschichte, der Aufbau des Plans wird vorgegeben und vereinzelt sogar Entscheidungen getroffen, die den Verlauf der Kampagne beeinflussen. Quasi also all das, was früher ein Spielleiter erledigen musste. 


Die Gemeinschaft
Haben wir uns lange genug durch die App geklickt, liegt schlussendlich aber tatsächlich ein Spielplan vor uns, voll mit verschiedenen Markern, Gegnern und natürlich uns Helden. Unsere Möglichkeiten sind dementsprechend auch weitestgehend klassisch. Mittels unserer zwei Aktionen bewegen wir uns über den Plan, greifen Gegner an oder agieren mit verschiedenen Punkten. Unabhängig von unserer genauen Aktion wird der Ausgang derselben stets über ein charakterspezifisches Kartendeck ermittelt. Je nach Probe ziehen wir einige Karten und addieren deren Erfolge. Die Karten bieten uns zudem weitere Vorteile. Jede Runde dürfen wir eine davon vor uns auslegen um im weiteren Verlauf von deren Boni zu profitieren. Leider sind es aber gerade die stärkeren Karten, die wir für die Proben eigentlich im Deck lassen wollen. Eine spannende Zwickmühle.


Aus Asche wird Feuer geschlagen
Auch in Mittelerde kommt eine Kampagne nicht ohne Charakterentwicklung aus. Und so dürfen wir unserem Deck zwischen den Missionen Karten hinzufügen und unsere Ausrüstung verbessern. Gerade Letztgenanntes läuft hier aber etwas anders als gewohnt. Denn die Startausrüstung und unterwegs Gefundenes verbessert sich mit der Zeit automatisch, indem wir uns Wissen aneignen. Während der Missionen kann es sich also Lohnen, auch mal einen Blick auf den eigentlich unnützen Obelisken zu werfen. Vielleicht lernen wir damit etwas über vergangene Könige und können mit dem neuen Wissen eine bessere Waffe herstellen. Auch die Kampagne selbst entwickelt sich stets weiter, selbst wenn wir bei einer Mission scheitern. Wobei wir uns nicht zu viele Niederlagen erlauben sollten, wollen wir der anbrandenden Orkhorde erfolgreich entgegengetreten.


Fazit
Die Verwendung von Apps in Brettspielen ist sicher nicht neu und hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Im Falle von „Reise durch Mittelerde“ ist die Umsetzung durchaus gelungen, zumindest ich konnte keine gröberen Fehler oder Probleme feststellen. Und dennoch hat mich die App gestört. Mir war sie auf meiner Reise einfach etwas zu dominant. Gefühlt habe ich während der Partien mehr auf die App als auf das Spielbrett gestarrt. Das Brett diente eigentlich nur noch dazu, die Position der Figuren zu regeln. Zudem mussten viele (teilweise recht repetitive) Texte vorgelesen werden. Ich will der App ihren Nutzen gar nicht absprechen. Dennoch war es mir persönlich etwas zu viel des Guten.

Neben der App fand ich insbesondere die Charakterentwicklung stellenweise enttäuschend, die wenig Kreativität zulässt. Gerade die günstigen Karten sind aufgrund der Misserfolge eher unattraktiv. Da hätte ich mir etwas mehr Spielraum (etwa die Möglichkeit, das Deck aufzuräumen) gewünscht. Gleiches gilt auch für die sonstige Variation. Während der kompletten Kampagne prügeln wir uns im Wesentlichen mit 3 verschiedenen Gegnern, der Rest taucht nur sporadisch auf. Da wäre sicher mehr drin gewesen.

So, genug gejammert. Denn am Ende zählt in erster Linie der Spaß. Und den hatten wir definitiv. Auch wenn das Herr der Ringe – Gefühl überschaubar bleibt, konnte die Kampagne insgesamt doch überzeugen. Dass sich Entscheidungen auf den weiteren Verlauf auswirken empfanden wir als sehr spannend, wenn zuvor befreite Verbündete später mit in die Schlacht ziehen fühlt sich das einfach toll an. Einige besondere Missionen sorgten zudem für Abwechslung, einmal mussten wir sogar einen kleinen Kriminalfall lösen. Auch die verschiedenen Klassen selbst spielen sich extrem unterschiedlich und ergänzen sich toll, das Kartendeck sorgt für spannende Entscheidungen.

Wer über die extreme Verwendung der App hinwegsehen kann, der bekommt hier eine durchaus spannende Kampagne. 


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