Freitag, 17. März 2017

Scotland Yard - Kartenspiel



Ich vermute jetzt einfach mal, dass so ziemlich jeder hier Scotland Yard kennt oder zumindest schon einmal davon gehört hat. Schließlich ist das Spiel des Jahres von 1983 quasi der Inbegriff des Räuber- und Gendarm – Spiels. Und so verwundert es nicht, dass der Klassiker nun, nach über 30 Jahren, eine Umsetzung als Kartenspiel bekommt. Und dafür verantwortlich zeichnet sich niemand geringeres als die Familie Brand, die für nicht wenige spielerische Highlights der vergangenen Monate und Jahre verantwortlich war.

Das Scotland Yard – Kartenspiel (Ravensburger) erinnert dabei, was Thema und Aufmachung angeht, frappierend an den großen Bruder. Spielerisch sind dann aber dennoch einige deutliche Unterschiede auszumachen.




Stapelweise Karten
Der auffälligste Unterschied dürfte sein, dass das Spiel tatsächlich nur aus einigen Stapeln Karten besteht. Der überwiegende Teil davon hat eine von drei Farben sowie eine Nummer. Der überwiegende Teil. Denn eine der Karten ist mit einem X markiert und gibt damit an, wer zu Beginn des Spiels Mister X ist. Dessen Aufgabe sollte es sein, den Mitspielern alle ihrer anfänglich jeweils acht Handkarten zu entlocken oder das gesamte Spiel über nicht geschnappt zu werden. Die anderen Spieler gewinnen dagegen, sobald sie die Karte mit dem X aus der Hand des Gesuchten ziehen konnten.


Die Aktionen
Wie genau läuft das jetzt? Nun, genau dafür liegen in der Tischmitte 3 Aktionskarten mit jeweils einem zugehörigen Abwurfstapel. Sind wir am Zug, spielen wir eine unserer Karten auf einen passenden Stapel, wobei die Kartennummer höher sein muss als die aktuelle Karte, allerdings niedriger als die Karte des benachbarten Stapels. Je nach Stapel lösen wir dabei verschiedene Effekte aus und ziehen etwa Karten nach, sammeln Hinweise um die Handkarten eines Mitspielers zu betrachten oder ziehen Karten von der Hand derselben. Besonders mächtig sind die Aktionen, wenn die Karte farblich zur Aktion passt. Ziel dieses Unterfangens sollte es stets sein, die eigene Hand aufzustocken oder die der gegnerischen Partei zu dezimieren. Denn nur so kommen wir dem Sieg näher.

Black Ticket
Neben den farbigen Karten gibt es zusätzlich noch die sogenannten Black Tickets. Diese können von Mister X für besonders mächtige Aktionen eingesetzt werden, sofern dessen Identität bekannt ist. Immerhin muss er (oder sie) ja als Einzelperson gegen einen ganzen Haufen Ermittler antreten. Und so werden anstelle von ein oder zwei Karten direkt deren vier nachgezogen oder die Ermittler müssen gemeinsam einen ganzen Haufen Karten ablegen. Und wenn all das nicht hilft und ein ausreichend hohes Black Ticket vorhanden ist, kann sogar die Mister X Karte geheim weitergegeben werden. Vielleicht lässt sich ein anderer Spieler ja nicht ganz so leicht erwischen.


Fazit
Das Scotland Yard – Kartenspiel tritt zweifelsfrei in große Fußstapfen. Und die Autoren versuchen dabei, möglichst viel vom Original zu erhalten. So erinnern etwa die Tickets sofort an die Vorlage und auch das Gefühl einer Verfolgungsjagd kommt stellenweise durch. Gerade in Vollbesetzung und mit kommunikativen Spielern am Tisch kommt auch richtig Stimmung auf, insbesondere solange Mister X noch nicht identifiziert wurde. Das Gegenseitige Belauern, das vorsichtige Taktieren und auch das (deutlich weniger vorsichtige) Beschuldigen sorgen hier durchaus für Spaß. Die zweite Phase des Spiels finde ich dagegen weniger unterhaltsam. Sobald die Identität von Mister X geklärt ist, läuft es auf ein bloßes Herunterspielen von Karten hinaus. Oft ist die bestmögliche Aktion (zumindest für die Ermittler) offensichtlich. Auch das Spielende kann hier sehr abrupt kommen, schlicht indem die X-Karte (mit der entsprechenden Aktion) komplett zufällig gezogen wird. Dies kann sogar ohne jede Kenntnis der Identität in Runde 1 geschehen.

In Vollbesetzung macht Scotland Yard dennoch Spaß. Anders mit nur drei Spielern. Der spannendste Teil des Spiels (die Suche nach Mister X) dauert hier üblicherweise nur sehr wenige (oft gar nur eine) Runden. Danach werden schlicht noch einige Karten gespielt, ein wenig auf den Zufall gehofft und dann endet die Partie auch schon. Trashtalk oder gar ein ausgeklügeltes Verheimlichen der Rollen sucht man dagegen vergebens. Das Gefühl, die gesuchte Person langsam in die Enge zu treiben, hatten wir hier nie.

Mit kommunikativen Spielern und bei (am besten) maximaler Spielerzahl weiß Scotland Yard – Das Kartenspiel durchaus zu unterhalten. Je weniger Spieler teilnehmen desto mehr verliert es allerdings an Reiz.

Mehr über das Scotland Yard – Kartenspiel erfahrt ihr in Kürze bei Beeple.


Keine Kommentare:

Kommentar posten