Samstag, 12. Juli 2014

Camel Up



Türme aus Trampeltieren
Über einhundert Rezensionen hat es gedauert, bis ich endlich einmal mein zoologisches Wissen aus dem Studium anwenden konnte. Also aufgepasst, nun gibt es was zu lernen. Der Name Camel Up, den Pegasus und Eggert-Spiele ihrem neuesten Werk verpasst haben, ist zwar nicht falsch, aus biologischer Sicht aber eigentlich unzureichend. Entgegen der allgemeinen Annahme ist ein Kamel nämlich die Familie, zu der Dromedare (1 Höcker) und Trampeltiere (2 Höcker) gehören. Da die Holzfigürchen bei Camel Up über 2 Höcker verfügen, wäre der Name Trampeltier-Turm also eigentlich die zutreffendere Wahl gewesen. Und damit dürfte auch geklärt sein, warum ich bloß ein kleiner Blogger bin und mich kein ernstzunehmender Autor oder Verlag jemals an ein Spiel in Entwicklung heranlassen würde.



In Camel Up (Steffen Bogen) liefern sich 5 Kamele ein Wettrennen einmal rund um die Pyramide. Entgegen allgemeingültiger Annahmen überholen die Tiere dabei aber nicht nur links und rechts, sondern steigen obendrein noch über ihre Kollegen hinweg. Jeder der 2 bis 8 Spieler versucht währenddessen seine Besitztümer durch Wetten zu vermehren.


Huckepack um die Pyramide
Für jedes der 5 farbigen Kamele wird zu Beginn einer Etappe ein passender Würfel in die Pyramide gelegt. Reihum sind die Spieler nun an der Reihe und dürfen eine beliebige Aktion durchführen. Eine dieser Aktionen ist das Rollen eines zufällig aus der Pyramide purzelnden Würfels. Das Kamel der entsprechenden Farbe bewegt sich daraufhin 1 bis 3 Felder voran. Landet es auf einem besetzten Feld, wird es auf dem Rücken des dort wartenden Artgenossen platziert. Befinden sich andererseits Kamele auf dem eigenen Rücken, werden diese mitgeschleppt. Auf diesem Weg kann ein Kamel in einer Runde beliebig häufig bewegt werden und eine ganz ordentliche Strecke zurücklegen. Eine Etappe endet, sobald alle 5 Sechsseiter geworfen wurden. Sobald das erste Kamel die Ziellinie überschreitet (nach zumeist 4 bis 5 Etappen), endet das Spiel.

Aktionen
Abgesehen vom wenig lukrativen Würfelwurf stehen den Spielern einige alternative Aktionen zur Verfügung. Das Wetten auf den Entstand des Rennens sowie der einzelnen Etappen bietet dabei das größtmögliche Gewinnpotential. Dabei gilt, dass der potentielle Gewinn umso größer ist, je früher die Wette abgegeben wird. Eine andere Möglichkeit um an Geld zu kommen, stellen die Wegplättchen dar. Diese werden entlang der Rennstecke platziert und liefern einen kleinen Gewinn, sollte ein Kamel darauf landen. Obendrein bewegt sich das Kamel sofort, je nach Plättchen, ein Feld nach Vorne oder Hinten. Zum Spielsieger wird ernannt, wer nach Ende des Rennens das meiste Geld sammeln konnte.


Fazit
Seit seinem Erscheinen sorgt Camel Up überall für Begeisterung. Kurzweilig, fröhlich, spaßig, spannend… diese und noch viel mehr Beschreibungen finden sich fast überall. Auch ich habe schon einige Partien erlebt, bei denen durchweg alle Spieler hellauf begeistert waren. Ausgehend von diesen Runden, scheint jedweder Superlativ gerechtfertigt. Leider gibt es da auch noch die anderen Partien.

Partien in denen das siegreiche Kamel früh feststeht (oder nur 2 Optionen übrig bleiben) sorgen für ein ungemein langweiliges Spielerlebnis. Da es nur ein sehr überschaubares Maß an lukrativen Aktionen gibt, werden ebendiese direkt von den ersten Spielern gewählt. Sitzt man hinten in der Reihenfolge, läuft das Spiel quasi an einem vorbei. Obendrein sorgt die überschaubare Wahl an sinnvollen Aktionen auch in allen anderen Spielen für einen durchweg fast identischen Etappenverlauf. Die ersten Spieler wählen Geländeplättchen sowie passende Wettkarten, den Übrigen bleiben die Würfel. Ausnahmen stellen Partien mit Anfängern dar, die fast immer zum wenige lukrativen Würfelwurf neigen und dadurch in den ersten Partien kaum eine Chance haben. 
Mit steigender Spielerzahl nimmt der Einfluss dabei stetig ab, aber auch in Partien zu viert habe ich schon extrem langweilige Runden erlebt. Auch die mangelnde Kontrolle über den Spielverlauf sorgt bei vielen Spielern für Frustration. Ein eigentlich sicherer Sieger kann sich durch unerwartete Wendungen schnell in Wohlgefallen auflösen. Während einige Spieler dies als Motivation und Spielspaß betrachten, führt es in anderen Gruppen vor Allem zu Abneigung.

Camel Up mag durchaus für Emotionen sorgen und in vielen Gruppen Begeisterung auslösen. Und ich kann sogar nachvollziehen, wenn Spieler von den Überraschungen und Wendungen begeistert sind. Auch ich habe solche Partien erlebt. Insgesamt ist es mir aber nicht genug, wenn mich nur jede zweite Partie wirklich überzeugen kann.


Kommentare:

  1. Na, das ist aber mal eine Einleitung!!

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  2. Naja, wenn man so ziemlich als letzter Rezensent ein Spiel bespricht bleibt nicht mehr viel sinnvolles übrig. Aber nach dem SdJ-Sieg dürfte eher über die relativ schlechte Kritik als über die Einleitung diskutiert werden :)

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  3. Ich hab's bislang zweimal gespielt und es war recht spaßig - allerdings in einer "Spezialversion", da meine fünfjährige Nicht in ihrem Zug stets den Würfelwurf aus der Pyramide zu machen pflegt :-) Mal sehen, wie die Langzeitmotivation ausfällt.

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    1. OK, jetzt bin ich neugierig. Was genau ist deine "Spezialversion"? Das Würfelproblem kenn ich aus meinen Gruppen nämlich auch zur Genüge.

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