Freitag, 24. Juni 2016

Doctor Panic



Es ist glaube ich eine allgemein bekannte Tatsache, dass viele Köche den Brei verderben. Und auch viele andere Berufszweige profitieren nicht unbedingt davon, wenn zu viele Personen zugleich aktiv sind. So wird es mit dutzenden Dachdeckern gleichzeitig auf einem Haus irgendwann unsicher, mehrere Fahrer in einem Linienbus sind eher ineffektiv. Doch wie ist das mit Ärzten? Eigentlich kann es doch nicht schaden, wenn bei Operationen möglichst viel kompetentes Personal vor Ort ist. Es sei denn, alle beginnen zugleich am Patienten herum zu schneiden.

Bei Doctor Panic (Roberto Fraga / Asmodee) geschieht genau das. Zugleich müssen wir unter Zeitdruck allerhand Miniaufgaben erledigen, um das Leben des Patienten zu retten. Dass wir dabei mit reichlich unerwarteten Problemen konfrontiert werden, dürfte kaum überraschen.


Der OP-Saal
In Doctor Panic werden die Spieler zu Ober- und Assistenzärzten und das heimische Wohnzimmer zum Operationsaal. Bevor wir uns einem der bemitleidenswerten Patienten annehmen, müssen wir allerdings zuerst mehrere Teams aus je einem Oberarzt und bis zu zwei Assistenzärzten bilden. Obendrein wird in der Tischmitte allerlei Werkzeug bereitgelegt, das üblicherweise für Operationen benötigt wird. Fehlt noch die passende Smartphone-App oder die entsprechende MP3-Datei, die einerseits für die klangliche Untermalung (ein ständiges Piep…Piep..), andererseits auch für das Zeitlimit sorgt. Denn von jetzt an müssen alle Teams eine Handvoll Aufgaben erledigen, um das Leben des Patienten zu retten.


Die Operation
Welche Art von Behandlung führen wir denn aber nun genau aus? Nun, jedes Team bekommt zu Beginn einen Stapel mit den stets gleichen Miniaufgaben (natürlich mit inhaltlichen Unterschieden). So müssen wir etwa beim Röntgen und Nähen des Patienten unsere Fingerfertigkeit beweisen, während beim Anlegen von Elektroden und dem Aufziehen der Spritze eine schnelle Auffassungsgabe hilft. Werden wir geröntgt müssen wir verschiedene Posen einnehmen, bei der Kontrolluntersuchung betrachten wir verschiedene Körperstellen mit Hilfe einer Lupe. Auch das Anreichen der Instrumente mittels Pinzette benötigt einiges an Geschick. Und soll der Patient überleben, sollten alle Teams ihren Aufgabenstapel innerhalb des Zeitlimits komplett abarbeiten.


Allerlei Störungen
Natürlich läuft bei einer solch komplexen und verwirrenden OP mit gleich mehreren Ober-, Unter- und Nebenärzten selten alles genau nach Plan. Und genau hier kommen wieder die App oder die MP3-Datei ins Spiel. Denn von Zeit zu Zeit kommt es beim Patienten zu einem Herzstillstand, was durch einen gleichbleibenden Piepton kundgetan wird. Nun muss ein Arzt auf einer Art Furzkissen eine Herzdruckmassage ausführen, ein Arzt muss mittels Zahlenkarte die passende Ladung am Defibrilator einstellen. Dann heißt es „Schock“ schreien, hoffen und die Prozedur gegebenenfalls von Vorne beginnen. Als letzte kleine Gemeinheit ruft ab und an die Klinikleitung an und stellt uns vor weitere Herausforderungen. Nun müssen wir etwa ein Neugeborenes (den jüngsten Spieler) küssen oder am klinikinternen Marathonlauf teilnehmen. Können wir den Patienten trotz all dieser Widrigkeiten in der vorgegebenen Zeit retten, gewinnen wir das Spiel.


Fazit
Doctor Panic ist ein Spiel, das man nicht allzu ernst nehmen sollte. Bereits das Thema ist mit einem Augenzwinkern zu sehen, die grafische Umsetzung unterstützt diesen Eindruck. Entsprechend simpel sind die einzelnen Spiele gehalten, selten dauert eines davon wesentlich länger als 60 Sekunden. Dennoch nimmt die erste Erklärung durchaus etwas Zeit in Anspruch, was schlicht in der Vielzahl der Elemente begründet ist. Zugleich kommt genau hierdurch auch die Abwechslung zustande, die knapp 15 Minuten Spielzeit ist man eigentlich ständig mit verschiedenen Dingen beschäftigt. Und in Gruppen die sich darauf einlassen kommt hier durchaus Stimmung auf. Denn während des Spiels wird ständig mitgefiebert, angefeuert, gebangt und gehofft. Zugleich gibt es keinerlei Leerlauf, ständig herrscht Hektik und man ist an verschiedenen Stellen gefordert. Dass das Spiel stellenweise durchaus ins Alberne abgleitet, damit sollte man umgehen können.

Dennoch hat uns Doctor Panic schlussendlich nicht zur Gänze überzeugen können. Einer der Gründe ist, dass eigentlich jede Gruppe komplett für sich spielt. Spiele dieser Art leben häufig davon,  die Mitspieler bei diversen seltsamen Aktionen zu beobachten. Bei Doctor Panic fällt das zur Gänze flach. Die ganze Zeit spielt man nebeneinander her und hofft einfach, dass die Mitspieler ihre Aufgaben ebenfalls erfüllen können. Auch die Aufgaben selbst fand ich persönlich nicht wirklich alle unterhaltsam, das mag aber eher am eigenen Geschmack als an der Art der Spiele liegen. Zuletzt kommen bei weitem nicht alle Spieler mit den recht albernen Aufgaben zurecht.

Persönlich wirklich enttäuschend fand ich allerdings die App. Laut Anleitung erkennt diese die Lautstärke des „Schock“-Schreis bei der Defibrilation, was ich leider nicht bestätigen kann. Auch die Aufgaben der Klinikleitung sollen angeblich über die App angezeigt werden, was ebenfalls nicht stimmt. Die übrige Umsetzung ist ebenso wenig geglückt. Wechselnde Sprachen, Grafik- und Textfehler sowie häufiges Stocken sind leider die Regel. Da greife ich dann doch lieber auf eine MP3-Datei zurück, mehr bietet die App in dieser Form sowieso nicht.   

Klammern wir die misslungene App aus, ist Doctor Panic am Ende für die richtige Gruppe ein durchaus kurzweiliges Spiel. Für mehr als eine Hand voll Runden reicht es bei mir aber nicht.

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