Donnerstag, 30. April 2020

Der Kartograph


Großveranstaltungen sind aktuell tabu und daran wird sich auch in den kommenden Monaten wenig ändern. Konzerte, Sportveranstaltungen, selbst Kinobesuche fallen flach. Und Brettspiele! Brettspiele? Naja, zumindest wer sich mit den insgesamt möglichen 100 Spielern an Der Kartograph (Jordy Adan / Pegasus) wagt, sollte sich besser auf Ärger gefasst machen. Dann doch lieber auf ein paar der Mitspieler verzichten oder sich direkt allein ans Werk machen.









Ein leeres Königreich
Eine Partie Kartograph beginnt, wie viele Geschichten beginnen: Mit einem leeren Blatt Papier. Oder besser: Einem fast leeren Blatt Papier. Denn schon zu Beginn enthält unser Königreich ein paar Gebirge und Ruinen, zusammen mit einem Haufen leerer Kästchen. Diese zu füllen ist die Aufgabe von uns Spielern. Und das ist eigentlich ganz einfach. Denn Runde für Runde wird eine Karte aufgedeckt, auf der zwei verschiedene Formen und / oder Geländetypen zu sehen sind. Die Formen erinnern stark an Tetris, unter den Geländetypen finden sich unter anderem Wald, Gewässer und Städte. Für welche der Formen wir uns entscheiden und wo sie eingezeichnet wird, das ist ganz und gar uns überlassen.


Ein punkteträchtiges Königreich
Prinzipiell können wir die Geländeteile fast nach Belieben eintragen, ein etwas taktischeres Vorgehen ist allerdings durchaus angeraten. Denn schließlich wollen wir am Ende das schönste (sprich: punkteträchtigste) Königreich unser Eigen nennen. Was genau das bedeutet, dass geben vier zufällig gezogene Punktekarten vor. Über ebenso viele Durchgänge werden stets zwei davon gewertet und honorieren etwa wenn Wald am Rand liegt, Dörfer von anderen Geländetypen umgeben sind oder möglichst viel Fläche gefüllt wurde. Zusätzliche Punkte locken durch Goldmünzen, die wir im Gebirge abbauen oder über Geländekarten erhalten können.

Ein monströses Königreich
Bis hierhin ist der Job des Kartographen ein recht solitärer. Und mitunter werden wir uns wünschen, das wäre auch so geblieben. Leider ist unser Königreich allerdings nicht gänzlich unbewohnt. Ab und an tauchen umherziehende Monster auf, die ebenfalls eingezeichnet werden, allerdings auf den Zetteln der Mitspieler. Und anstatt dort zu punkten, führt jedes benachbarte leere Feld zu Minuspunkten. Klar also, dass wir uns der Sache annehmen müssen. Doof nur, dass wir ja eigentlich erst noch den Auftrag erfüllen wollten. Und die Münze dort winkt auch schon länger, aber eben nicht mit der aktuellen Karte… Wem all das noch nicht reicht, der greift zur direkt beiliegenden Mini-Erweiterung, die uns obendrein noch mit kleinen Fähigkeiten versorgt.


Fazit
Der Kartograph ist eigentlich ganz simpel. Eine Karte aufdecken, zwischen zwei Optionen wählen und ein paar Kästchen ausmalen. Mehr gibt es nicht zu entscheiden. Wenn, ja wenn da nicht all die Verlockungen wären. Denn seinen Reiz zieht das Spiel daraus, dass man stets versucht ist, allen Aufgaben gerecht zu werden. Hier und da ein paar Punkte sammeln und gleichzeitig bei einem Auftrag richtig dick absahnen. Dazu am besten gleich zu Beginn Münzen horten. Und erst das Monster… ignorieren ist teuer, bekämpfen kostet Zeit. Und die ist immer knapp, stets hätte man am Ende gerne noch ein oder zwei Züge mehr. Obwohl die Regeln denkbar einfach sind, sind es die Entscheidungen selten. Und wenn doch, dann funken nur zu gerne die Mitspieler oder das Kartendeck dazwischen. Jede neue Karte wird bejubelt oder verflucht, über das eigene Pech und das Schicksal gejammert. Emotionen sind beim Kartographen garantiert, ebenso wie eine zweite und dritte Runde.

Etwas unzufrieden haben sich in meinen Runden manche Mitspieler über die Übersichtlichkeit geäußert. Diese geht schnell verloren, wenn der Plan voller (mehr oder weniger gelungener) Bleistiftstriche ist. Hier helfen Buntstifte, um die verschiedenen Geländetypen zu unterscheiden. Als wirklich notwendig sehe ich das aber nicht. Hier und da etwas holprig gestaltet sich zudem anfänglich die Punktevergabe. Wann welche Wertungen durchgeführt werden und was genau dann Punkte bringt, überfordert Erstspieler teilweise etwas. Allerdings hat das noch niemanden von einer zweiten Partie abgehalten. Und spätestens dann überzeugt der Kartograph voll und ganz.


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