Sonntag, 10. Mai 2020

Nova Luna


Vor dem Diebstahl geistigen Eigentums ist leider auch die Spielebranche nicht gefeit. Immer wieder tauchen ähnliche Ideen in verschiedenen Spielen auf, in manchen Fällen wird ganz dreist sogar das ganze Spiel kopiert. Glücklicherweise verhalten sich die meisten Autoren ihren Mitbewerbern gegenüber allerdings sehr fair. Im Fall von Nova Luna ging das sogar so weit, dass Corné van Moorsel schlussendlich sogar als Co-Autor genannt wurde. Dessen Spiel Habitats war schließlich eine Inspirationsquelle für Uwe Rosenbergs Nova Luna (Edition Spielwiese).






Ein abstrakter Rundkurs
Ich könnte jetzt damit beginnen, vom Mondzyklus zu reden. Davon, dass wir bei Neumond starten und langsam die Phasen entlangwandern. Oder ich lasse es einfach, denn im Endeffekt ist Nova Luna ein rein abstraktes Spiel. Der entsprechende Rundkurs dient schlicht dazu, die Spielereihenfolge festzuhalten. Erfahrene Spieler werden hier sofort Patchwork erkennen. Stets ist der Spieler an der Reihe, der auf dem Rundkurs die letzte Position einnimmt. Derjenige darf sich ein Plättchen aus der Auslage nehmen und schreitet, je nach Wert des Plättchens, auf dem Rundkurs voran. Mitunter kann man so auch mehrfach an der Reihe sein oder länger aussetzen, wenn man ein besonders wertvolles Plättchen genommen hat.


Farbiger Zwiespalt
Was genau machen wir aber nun mit den Plättchen? Nun, einmal genommen wandern diese in unsere Auslage. Jedes Plättchen hat eine von vier Farben und bis zu drei Aufgaben. Die Aufgaben geben vor, dass bestimmte Farbplättchen benachbart liegen sollen. Als Belohnung dürfen wir eine Scheibe auf das Feld legen, wer alle Scheiben loswird gewinnt das Spiel. Ziel sollte es also sein, die Plättchen so zu legen, dass sowohl die Aufgaben als auch die Farbe des Plättchens optimal genutzt werden. Was allerdings leichter gesagt als getan ist.

Zu wenige Seiten
Einige der schwer zu erfüllenden Aufgaben setzen sogar voraus, dass wir neben das Plättchen fünf oder mehr Farben legen. Wer in der Grundschule gut aufgepasst hat, dürfte jetzt bereits stutzig werden. Schließlich hat so ein Plättchen nur vier Seiten. Farbgleiche Gruppen zählen allerdings auch dann, wenn nur eines der Plättchen benachbart ist. Große Farbgruppen können also durchaus hilfreich sein, stehen ihrerseits aber häufig im Widerspruch zu den übrigen Aufgaben. Genau solche verzwickten Entscheidungen machen den Reiz des Spiels aus.


Fazit
Keine Frage, Nova Luna ist ein abstraktes Spiel, bei dem man sich das Thema eigentlich auch gleich hätte schenken können. Die Interaktion beschränkt sich auf vereinzelte Blicke zum Mitspieler, die Zeitleiste wird teilweise sogar als unfair empfunden, wenn man mal wieder länger aussetzen muss. Gerade in den ersten Runden gestaltet es sich zudem unerwartet schwierig, all die Aufgaben im Blick zu behalten. Ein zumeist eher ruhiger und wenig emotionaler Spielverlauf ist die Folge.

Und dennoch bleibt es eigentlich nie bei einer Partie. Denn die Aufgabenstellung ist reizvoll, der Sog es in der folgenden Runde besser zu machen immens. Sobald die Einstiegshürde einmal genommen ist, entwickelt sich ein spannendes und emotionales Wettrennen. Jede einzelne Entscheidung ist wichtig, planvolles Vorgehen unverzichtbar. Auch die Interaktion nimmt mit steigender Erfahrung zu, plötzlich plant man (gerade zu zweit) viel weiter voraus. Selbst der früher frustrierende Zeitmechanismus wird nun genutzt, um Mehrfachzüge zu erlangen oder weiter entfernte Plättchen zu erreichen. Ist dieser Punkt erreicht, entfaltet Nova Luna seinen ganzen Reiz und ist in jeder Besetzung eine klare Empfehlung, auch wenn ich persönlich das Spiel zu zweit bevorzuge.


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