Donnerstag, 28. Mai 2020

Kurz gefasst 3.20


Große Spiele mit viel Material und epischen Spielzeiten scheinen auf viele Spieler eine unwiderstehliche Anziehungskraft auszuüben. Ganz so, als ob großartige Plastikminiaturen und handgedengeltes Material ein besseres Spiel machen. Dabei steckt doch gerade in kleinen Boxen häufig kaum weniger Spaß. Vielmehr ist es hier sogar die große Kunst, aus wenig möglichst viel zu zaubern. Mit Man muss auch gönnen können, Trails of Tucana und Nine Tiles Panic stehen diesmal entsprechend drei kleine Spiele im Rampenlicht. 







Man muss auch gönnen können (Blum & Merkl / Schmidt)

Das neue Spiel der „klein & fein“ – Reihe setzt auf Altbewährtes, bietet zugleich aber auch neue Ideen. Ganz klassisch werfen wir unsere Würfel bis zu dreimal, wovon auch die Mitspieler partizipieren. Zur Abwechslung allerdings nur dann, wenn wir nachwerfen müssen. Ganz klassisch tragen wir Ergebnisse in unserem Wertungsblock ein, den wir allerdings zuvor selbst zusammenbauen. Ganz klassisch wollen wir Bereiche abschließen, um zu Punkten oder Fähigkeiten freizuspielen. Allerdings dürfen wir das im eigenen Zug nur dann tun, wenn wir den Auftrag damit komplett erledigen. Noch wichtiger als sonst ist es also, sich gerade im Zug der Mitspieler möglichst viele Optionen offen zu halten.

Während mir die meisten Spiele der „klein & fein“-Reihe bislang sehr gut gefallen haben, halte ich „Man muss auch gönnen können“ für einen der schwächeren Ableger. Zum einen ist der Zusammenbau des eigenen Wertungsblattes weniger spaßig als es klingt und bringt eine enorme Menge Zufall ins Spiel. Das geht so weit, dass Spieler mit dem richtigen Auftrag schnell neun Teile sammeln und damit das Spielende auslösen. Zudem partizipiert man nur vom Wurf der Mitspieler, wenn dieser neu würfelt. Hat jemand einen perfekten Wurf, schauen die Kollegen in die Röhre. Würfelt jemand dagegen dauernd Mist, ist er selbst der Gelackmeierte und die Mitspieler greifen zusätzlich ab. Das wirkt insgesamt nicht richtig ausgegoren und fühlt sich teilweise sogar unfair an.



Nine Tiles Panic (J. Merkl & J.-C. Pellin / Oink Games)

Mit dem neuen Spiel von Oink Games wagt sich der Verlag in Neuland. Denn das Spiel erscheint in einer echten Big Box die glatt doppelt so groß ist wie die bisherigen Veröffentlichungen. Und damit immer noch kaum größer als ein handelsübliches Kartenspiel. Dennoch steckt auch in dieser Box wieder so Einiges. Gänze Städte sogar. Und die erstellen wir mithilfe von jeweils neun beidseitig bedruckten Pappplättchen. Darauf zu sehen sind Straßen, Häuser, Aliens, Hamburger und noch so einiges mehr. Während einige Bauregeln stets gleich sind (etwa, dass wir immer ein 3 mal 3 Raster bauen und Straßen nicht in Sackgassen enden), warten Runde für Runde neue Vorgaben, um zu punkten. So sollen viele Häuser zu sehen sein, die Aliens wollen Burger und die Hunde in Rudeln herumtollen. Und all das natürlich noch auf Zeit.

Hektisch eine Auslage nach bestimmten Vorgaben zu erstellen ist nicht wirklich neu, das Prinzip von Nine Tiles Panic ist hinlänglich bekannt. Dennoch ist es hier gekonnt umgesetzt, was insbesondere an der sehr großen Zahl an Aufgaben liegt. So bleibt das Spiel abwechslungsreich und der Schwierigkeitsgrad variiert. Gleichzeitig ändert das nichts daran, dass schnelle Spieler einen klaren Vorteil haben. Häufig steht nach ein oder zwei Durchgängen der Sieger bereits mehr oder weniger fest.



Trails of Tucana (E. Svensson & K. Ostby / Pegasus)

Das mit dem Urlaub dürfte sich in diesem Jahr etwas schwieriger gestalten. Wer dennoch nicht auf den Inselausflug verzichten will, dem kann ich Tucana ans Herz legen. Sehenswürdigkeiten und Dörfer gibt es dort reichlich, einzig die Wege zwischen diesen sind ausbaufähig. Und genau das ist unsere Aufgabe. Dazu bekommt jeder Spieler seine eigene kleine Insel und zeichnet auf diese Linien ein. Stets werden zwei benachbarte Geländetypen verbunden, welcher Art hängt von den gezogenen Karten ab. Ziel ist es, die Dörfer miteinander und den auf der Insel verteilten Sehenswürdigkeiten zu verbinden.

Denkbar einfache Regeln und eine ansprechende Optik lassen unerfahrene Spieler schnell Spaß an Trails of Tucana haben, doch auch erfahrene Zeitgenossen fiebern gerne mal mit. Gerade wenn am Ende nur noch wenige aber umso wichtigere Wege fehlen, bangt man bei jeder aufgedeckten Karte. Klar, schlussendlich sind die Möglichkeiten begrenzt und das Glück hat ein gewaltiges Wörtchen mitzureden. Für eine lockere Runde zwischendurch ist Trails of Tucana aber absolut zu empfehlen.

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