Freitag, 4. September 2020

TIME Stories-Revolution: Das Hadal-Projekt


Bald fünf Jahre ist es inzwischen her, dass wir mit TIME Stories erstmals die Geheimnisse der Nervenheilanstalt ergründet haben. Seitdem gab es eine Vielzahl weiterer Aufgaben zu meistern, deren Qualität (zumindest meiner Meinung nach) aber zuletzt stetig nachgelassen hat. Der richtige Zeitpunkt also für einen Neustart. Und genau diesen bietet TIME Stories Revolution: Das Hadal-Projekt (Kevin und Melissa Delp, Manuel Rozoy / Asmodee). Denn diesmal erwartet uns nicht nur eine neue Aufgabe, sondern auch eine deutliche Überarbeitung des Spielprinzips.






TIME Stories
Die Aufgabe von TIME Stories ist auch bei Revolution unverändert. Als Zeitagenten werden wir in Wirtskörper in fremden Epochen versetzt, um dort eine Mission zu erfüllen. Dazu wandern wir von Ort zu Ort, sammeln Informationen, verwenden Gegenstände und kommen verschiedenen Geheimnissen auf die Spur. Auch wenn der Spielplan inzwischen fehlt, sind die ausliegenden Ortskarten und auch deren Verwendung fast unverändert geblieben.

Weg mit altem Ballast
Kommen wir also zu den Änderungen, unter denen der fehlende Spielplan allenfalls die optisch auffälligste ist. Die spielerischen Auswirkungen sind dagegen überschaubar, auch wenn dadurch kein Basisspiel mehr benötigt wird. Ebenfalls verschwunden ist der Würfel. Proben und Kämpfe werden nun über Schicksalskarten mit Zahlenwerten abgehandelt, der Zufall lässt sich so zumindest ein klein wenig besser abschätzen.  


Keine Zeit mehr
Viel einschneidender ist da schon die nächste große Änderung: Die Zeit ist weg, und damit das wohl prägendste Element der Serie. An ihre Stelle tritt Azrak, blaue Kristalle. Von diesen hat jeder Spieler eine begrenzte Anzahl, die zur Verstärkung von Proben oder zur Erkundung von Orten benötigt werden. Gehen die Kristalle aus, führt man ein Update aus und bekommt den Vorrat wieder aufgefüllt. Je häufiger wir diese Aktion nutzen, desto schlechter fällt allerdings die Wertung aus. Ein zusätzlicher aber extrem wichtiger Nebeneffekt der fehlenden Zeit: Wir springen nicht mehr zurück in die Agency. Anstatt die Mission mehrfach von vorne beginnen zu müssen, bleiben wir nun so lange in unseren Wirten, bis die Aufgabe gelöst oder die Mission gescheitert ist.

Persönliche Karten
Auch wenn es darüber hinaus noch ein paar weitere Änderungen gibt, will ich an dieser Stelle nur noch zwei hervorheben. Der individuelle Kartenstapel für die verschiedenen Charaktere sowie das persönliche Ziel. Denn inzwischen hat jeder Wirt ein eigenes kleines Kartendeck, das bei manchen Interaktionen zum Tragen kommt. Das hat zur Folge, dass Personen unterschiedlich reagieren oder Aufgaben verschieden gelöst werden, je nachdem, wer sich daran versucht. Zudem hat jeder Charakter nun eine persönliche Aufgabe. Deren Erfüllung ist zwar nicht spielentscheidend, aber durchaus von Vorteil. Da nimmt man auch gerne mal in Kauf, dass das Verfolgen des Ziels vielleicht nicht gänzlich mit den Plänen der Mitspieler übereinstimmt.


Fazit
Bei Revolution ist der Name Programm. Denn hier wurden nicht nur ein paar kleinere Anpassungen vorgenommen. Stattdessen wurde das Spielprinzip einmal komplett auf Links gedreht. TIME Stories lebte schon immer von der Geschichte, das komplexe Regelgerüst war eher störend als förderlich. Gut also, dass genau hier einiges geschehen ist. Der Spielverlauf ist flotter, der Druck und die Frustmomente deutlich reduziert. Der eine oder andere mag aus dem Zeitlimit extra Motivation gezogen haben, ich vermisse es nicht. Ein Highlight sind zudem die charakterspezifischen Karten, die zu zusätzlichen Diskussionen einladen und durch die persönlichen Ziele für mehr Stimmung am Tisch sorgen. Auch die Story ist ordentlich und hält, neben einigen wenigen Rätseln, die eine oder andere spannende Wendung bereit.

Eines der eher nervigeren Elemente des Vorgängers, die Kämpfe, haben es dagegen leider auch in die neue Version geschafft. Zwar verläuft ein Kampf ohne Würfelwürfe etwas planbarer und teilweise auch flotter, dennoch ist der (Zeit-)Aufwand noch immer unverhältnismäßig groß. Zum Glück gibt es davon nicht viele. Zudem können Story und Rätselelemente nicht mit den besten Fällen der Reihe (für mich noch immer die Nervenheilanstalt) mithalten. Insgesamt führt Revolution dennoch in die richtige Richtung und macht, nach dem misslungenen Ende der ersten Reihe, wieder Spaß. Nachdem ich mit TIME Stories eigentlich schon abgeschlossen hatte, freue ich mich jetzt wieder auf neue Fälle.


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