Mittwoch, 25. November 2015

Nebel über Valskyrr


Wer sich ab und an mit Kickstarter beschäftigt dürfte kaum umhin kommen zu bemerken, dass dort insbesondere miniaturlastige Spiele hohe Summen erzielen. Ein Fantasy-Abenteuerspiel mit schön gestalteten Figuren ist ein fast sicherer Erfolgsgarant. Dass es auch anders geht, haben kürzlich Błażej Kubacki und NSKN bewiesen und konnten mit Mistfall einen durchaus respektablen Erfolg einfahren. Und der Heidelberger Spieleverlag erfreut uns nun mit der deutschen Version dieses fast nur aus Karten bestehenden Abenteuerspiels.

Doch auch gänzlich ohne Figuren ist es unsere Aufgabe als Helden fiese Gegner zu bekämpfen,  ganze Landstriche zu befreien und sich nebenbei auch noch um das Verbessern der eigenen Fähigkeiten zu kümmern.



Die Helden
Bevor wir gemeinsam ins Abenteuer ziehen, müssen wir unsere Wahl zwischen sieben verschiedenen Helden treffen. Vom Barbar über den Magier bis hin zum Schurken sind dabei alle gängigen Rollen vertreten. Allesamt verfügen sie über besondere Fähigkeiten sowie ein spezielles Kartendeck. Und genau diesem fällt eine zentrale Rolle zu. Denn einige dieser Karten stellen Ausrüstungen oder Verstärkungen dar die in die eigene Auslage wandern, andere sind einmalige Fähigkeiten. Darüber hinaus bildet der Kartenstapel auch noch unseren Vorrat an Lebenspunkten. Bekommen wir Schaden müssen wir Karten auf den Friedhof legen, ist dies nicht mehr möglich verlieren wir das Spiel.



Die Szenarien
Haben wir unsere Helden gewählt, enthält das Spiel insgesamt vier verschiedene Szenarien mit variabler Spielzeit. Allen gemein ist, dass mehrere Ortsplättchen verdeckt ausgelegt werden, wobei wir an einem Ende starten und das andere Ende üblicherweise einen zu besiegenden Endgegner enthält. Rücken wir mit unserer Figur auf ein verdecktes Plättchen vor, ziehen wir einen Auftrag und mehrere Gegner. Schaffen wir es diese zu besiegen oder den spezifischen Auftrag zu erfüllen, dürfen wir weiter vorrücken. Da zugleich ein recht knappes Zeitlimit für Druck sorgt, ist ein zügiges Voranschreiten für einen Sieg unerlässlich.
 
Die Gegner
Anders als das mühsame Voranschreiten auf der Landkarte kommen die Gegner von ganz alleine zu uns. Denn alles was wir als Helden unternehmen (vom Ziehen einer Waffe bis zum Feuerball) verursacht Bedrohung. Und die Gegner stürzen sich stets auf den bedrohlichsten Helden. So lässt sich durchaus etwas taktieren, um etwa mehr Gegner dem Nahkämpfer zuzuschanzen und den Heiler zu schützen. Wenn die Gegner dann aber mal da sind, müssen wir uns ihrer natürlich auch erledigen. Dafür verfügen alle Gegnerkarten über Werte für Angriff, Verteidigung und Lebenspunkte. Obendrein verfügt fast jeder Gegnertyp über Sonderfähigkeiten, besondere Angriffe oder Verwundbarkeiten.



Der Kampf
Theoretisch kann ein Gegner ganz einfach besiegt werden, indem ein Held einfach ausreichend Schadenspunkte verursacht. Genau hier kommen unsere Karten ins Spiel… und es wird kompliziert. Manche der Karten müssen vorab in die eigene Auslage gespielt werden (etwa Waffen) andere kommen direkt von der Hand. Genutzte Fähigkeiten wandern auf den Ablagestapel, Waffen gegebenenfalls nach der Nutzung wieder auf den Nachziehstapel. Einige der Karten werden bei Benutzung direkt begraben (und sind damit erst einmal aus dem Spiel), andere bleiben einfach in der Auslage liegen. Auch die Reichweite variiert und kann sich, Abhängig von den Gegnern, durchaus auch mehrfach ändern. Und all das wird anhand kleiner Symbole und Texte auf den Karten dargestellt. An dieser Stelle erkennt man schon, dass der Kampf in Valskyrr einerseits recht komplex ist, andererseits aber auch viele Optionen und Möglichkeiten bietet.
Und wenn es uns nicht gelingt alle Gegner zu vernichten, schlagen diese im Anschluss auch noch zurück. Wer jetzt nicht über eine dicke Rüstung verfügt, der kann sich schon einmal auf ordentlich Schaden einstellen.


Die Charakterentwicklung
Es ist dementsprechend durchaus angeraten, die Gegner besser gleich zu besiegen. Denn einerseits bringt uns dies im Szenario weiter, andererseits bekommen wir als Belohnung eine oder mehrere der begehrten Münzen. Und diese lassen sich wiederum für neue Fähigkeitskarten ausgeben, welche die eigenen Handkarten ergänzen. Und dass sich hier deutlich spannendere Fähigkeiten finden lassen als im Standarddeck, das dürfte kaum überraschen. Genau das wird aber auch benötigt, will man den Endgegner erschlagen und das Spiel gewinnen können.


Fazit
Wer den obigen Text aufmerksam gelesen hat, der dürfte bereits zu einem Schluss gekommen sein: Valskyrr ist alles andere als ein einfaches Spiel. Das Erlernen des Spielverlaufs ist tatsächlich sogar recht anspruchsvoll, viele kleine Regeln und Besonderheiten wollen erfasst werden. Die Vielzahl von Symbolen erschwert den Einstieg zusätzlich und leider macht auch die Anleitung keinen besonders guten Job. Um hier wirklich durchzublicken gehen also durchaus mehrere Partien und einige Stunden drauf. Zusätzlich gibt es für fast alle Bereiche eine Vielzahl verschiedener Karten. Das sorgt zwar für reichlich Abwechslung, zu Beginn aber auch für Verunsicherung. Ist der Verlauf allerdings einmal verinnerlicht, läuft das Spiel zumeist reibungslos.

Wurde mit den allgemeinen Regeln die erste Hürde genommen, folgt direkt die Zweite. Denn auch die zur Wahl stehenden Charaktere wollen richtiggehend gelernt werden. Jeder hat spezielle Stärken und Schwächen, einiges davon ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. So sind bereits im Basisdeck Karten enthalten, die erst mit den zusätzlich zu kaufenden Karten sinnvoll interagieren. Auch das erschwert den Einstieg deutlich, ist zugleich aber auch eine enorme Stärke von Valskyrr. Denn so vielfältige und abwechslungsreiche Charaktere sind ansonsten nur schwer zu finden. Fast jeder Charakter kann auf verschiedene Varianten gespielt werden und fast alle unterscheiden sich deutlich voneinander.

Stellt sich also die große Frage: Lohnt sich der ganze Aufwand? Und hier kann ich klar sagen: Ja. Denn Valskyyr ist tatsächlich durchweg spannend, die vielfältigen Gegner und Optionen sorgen für Abwechslung. Darüber hinaus ist kooperatives Vorgehen unerlässlich, wenige andere Spiele bauen so sehr auf das konstante Miteinander. So blockt der Krieger die Gegner, der Magier mach Schaden und der Priester heilt. Nutzt auch nur ein Spieler seine Rolle nicht aus, scheitert die Mission. Dennoch ist der Schwierigkeitsgrad der Szenarien angemessen und sowohl fordernd als auch (zumeist) fair.

Wer sich also vom enormen Einstieg nicht abschrecken lässt, der sollte unbedingt mal einen Blick auf die „Nebel über Valskyrr“ riskieren.



http://spielfreude.blogspot.de/p/vorschau-spiel-2016.html

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