Freitag, 13. Januar 2017

The Battle at Kemble's Cascade



Die heutige Rezension beginne ich direkt einmal mit einem Geständnis. Oder besser gleich zweien. Erstens: Ich bin gar nicht mehr so jung, wie mein stets cooler und hipper Schreibstiel (hüstel) vielleicht vermuten lässt. Und zweitens: Neben Brettspielen habe ich mich in meinem (trotzdem noch immer recht jungen) Leben auch immer mal wieder an Videospielen versucht. Und genau das bringt mich auch schon zum heutigen Spiel. Denn The Battle at Kemble’s Cascade (Anders und Olle Tyrland / Asmodee) orientiert sich an Videospielen der Neunzigerjahre.

Im Wesentlichen bedeutet das, dass wir in TBAKC (ihr dachtet doch wohl nicht, dass ich das jetzt immer ausschreibe?) mit einem Raumschiff herumfliegen, Gegner plätten und unsere Bewaffnung verbessern. Und dabei bewegt sich der Weltraum stets um uns herum.


Der Weltraum…
Am besten gehen wir direkt auf diesen „Weltraum“ ein. Dieser besteht in TBAKC aus einer Handvoll Karten. Je nach Spielerzahl werden mehrere davon neben- und übereinander in Reihen ausgelegt. Das Besondere: Jede Reihe befindet sich auf einer Art Schiene aus Kunststoff. Und am Ende jeder Runde wird die unterste davon entfernt während oben eine neue angelegt und mit Karten gefüllt wird. Auf diese Art wandert der Weltraum um unsere Schiffe herum und wir werden gezwungen stets nach vorne zu fliegen. Dabei kommen uns fremde Schiffe, Asteroide, schwarze Löcher, Teleporter und sogar gigantische Endbosse entgegen.


…unendlicher Schaden
In all diesem Weltraum kommen wir uns mit unserem kleinen Schiff manchmal schon ein wenig mickrig vor. Das ändert aber nichts daran, dass wir stets versuchen sollten, möglichst viele Punkte mitzunehmen. Dazu steht uns jede Runde eine Bewegung und ein Schuss zur Verfügung. Um etwas mehr herauszuholen dürfen wir unser Schiff obendrein auch noch überlasten. Ziel sollte es stets sein, möglichst lukrative Gegner zu zerlegen und den unzerstörbaren Dingen auszuweichen. Denn wenn wir das Zeitliche segnen kommen wir zwar schnell wieder zurück, die Mitspieler danken uns aber für einige geschenkte Punkte. Und das geschieht leider schneller als man denkt. Denn fast alle Gegner ballern zurück. Dabei bauen wir am Ende unseres Zuges Bedrohung auf und haben dann eine Runde Zeit diese (über viel Bewegung, Schilde, etc) wieder abzubauen. Was übrig bleibt zehrt an unserer stets knappen Energie.

Unsere Waffen
Damit wir gegen all diese Bedrohungen überhaupt eine Chance haben, können wir anstelle unseres normalen Zuges auch die Maschinen herunterfahren. Neben einer kleinen Energiespritze haben wir nun die Möglichkeit, einkaufen zu gehen. Und hier findet sich eigentlich alles was das Herz begehrt. Größere Waffen (vom Flammenwerfer bis zum Laser), robuste Schilde, ein schneller Antrieb oder ein besseres Zielerfassungssystem. Mit solch einem aufgerüsteten Raumschiff können wir dann auch die härteren Brocken besiegen, die uns das Kartendeck nach und nach entgegenwirft. Oder das Deck einfach schwerer machen. Denn was uns in TBAKC begegnet, dass bestimmen wir (in Grenzen) selbst.


Fazit
An dieser Stelle sei vielleicht erwähnt, dass ich möglicherweise ein wenig voreingenommen bin. Denn das Thema spricht mich voll an und versetzt mich zurück in die Zeit der Weltraum-Ballerspiele. Entsprechend hoch war die Spannung vor der ersten Partie. All die unterschiedlichen Weltraumkarten, die Ausrüstung und die gesamte Aufmachung sorgten nicht gerade dafür, die Vorfreude zu schmälern. Und TBAKC setzt das erwartete Gefühl tatsächlich auch richtig gut um. Jede Runde wird gehofft und gebangt was einen als nächstes erwartet, stets freut man sich auf neue Waffen und bessere Ausrüstung und ist damit den gegnerischen Horden dennoch fast immer unterlegen. Von dieser Seite also ein dickes Lob, hier passt alles.

Was mir persönlich weniger zugesagt hat ist der konfrontative Aspekt. Denn im Endeffekt geht es darum, mehr Punkte zu machen als die Mitspieler. Und hier ist leider viel zu oft einfach das Glück entscheidend. Das beginnt schon bei anfänglichen Missionskarten die von „fast nicht schaffbar“ bis zu „mach ich nebenbei“ reichen. Auch wo welche Gegner auftauchen wirkt sich spürbar auf den Verlauf aus. Während ein Spieler einfache lukrative Gegner bekommt, tauchen vor dem Anderen unzerstörbare Asteroiden auf. Das passt zwar durchaus zum Charakter des Spiels, wenn der Sieger aber bereits nach einem Bruchteil des Spiels feststeht (denn frühe Vorteile potenzieren sich durch bessere Ausrüstung schnell), nimmt das aber viel von der Spannung. Zudem ist das Spielprinzip mitunter sehr kleinteilig. Auf dem Brett werden besiegte Gegner mit Karten abgedeckt, es gibt über ein Dutzend verschiedene Objekte mit unterschiedlichen Regeln und bei der Berechnung des Schadens muss stets das gesamte Weltraum in Betracht gezogen werden. Hier geht (gerade in den ersten Partien) viel Zeit für Verwaltung drauf. Auch die Qualität (insbesondere der Plastikschienen) hätte besser sein können.

All das dämpft zwar durchaus den Spaß an TBAKC, ist aber schnell vergessen, wenn man sich mal wieder einem acht Karten großen Endboss stellt und diesen mit der letzten Salve vom Plan putzt. 


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