Donnerstag, 23. Januar 2014

Kashgar - Händler der Seidenstraße



Das Spiel zur Karawane
„Die Karawane zieht weiter, der Sultan hätt Doosch!“ Ja, hier im Großraum Köln hat mal wieder die närrische Zeit begonnen, überall trifft man seltsam gekleidete Menschen und die Vorfreude ist schon fast mit Händen greifbar. Wie gut, dass ich mit Karneval mal so gar nix anfangen kann und mich lieber daheim an ein neues Brettspiel setze. Kosmos ist dabei so freundlich und liefert mir direkt das Spiel zur Karawane.

Kashgar (Gerhard Hecht / Kosmos) lässt uns Spieler Karawanen verwalten und mit diesen Gewürze entlang der Seidenstraße transportieren. Oder anders: Wir erwerben Waren, erfüllen Aufträge und sammeln Siegpunkte. All dies mit nur einer Handvoll Karten und einigen, wenigen Holzmarkern.


Patriarchen mit Gefolge
Zu Beginn einer Partie Kashgar verfügen die Spieler über nicht mehr als 3 Karawanen bestehend aus einem Patriarchen an der Spitze und einer zufälligen Person dahinter. Da 2 Personen wohl kaum als Karawane durchgehen, offeriert uns der Patriarch bei Aktivierung eine weitere Person anzuwerben. Da wir jede Runde die vorderste Person einer Karawane nutzen, fällt die Entscheidung zu Beginn denkbar einfach. Also den Patriarchen aktiviert, eine von zwei Personen des verdeckten Nachziehstapels ausgewählt und diese, ebenso wie den Patriarchen, hinten an die Karawane angelegt. In der kommenden Runde haben wir nun die Wahl eine der beiden ungenutzten Patriarchen zu aktivieren oder die Person der ersten Karawane die nun vorne liegt.

Gewürze, Gold und Mulis
Ebenjene (zufälligen) Personen sorgen dabei für die Variabilität von Kashgar. Einige davon liefern etwa Gewürze, Gold oder Mulies. Diese werden mittels Holzfigürchen auf dem spielereigenen Tableau abgetragen. Andere erfüllen mit Waren vielfältige Aufträge und sammeln damit Siegpunkte. Auch Sonderfunktionen, etwa das Manipulieren der eigenen Karawane oder (optional) Interaktionen mit dem Mitspieler, sind zu finden. Einige der Aktionen sind dabei kostenlos, für andere müssen Gold oder Gewürze aufgewendet oder der entsprechende Karawanenteilnehmer abgeworfen werden.
Die zu erfüllenden Aufträge gibt es dabei in den Geschmacksrichtungen Klein, Groß und Spezial. Diese unterscheiden sich teilweise in gewährten Boni, besonders aber in den Siegpunkten. Deren 25 braucht man um die Partie zu beenden und zumeist auch als Sieger aus dem Spiel hervor zu gehen.
Fazit
Der erste Blick auf Kashgar verspricht, ein bekanntes Thema (Deckbau) durch eine geschickte Herangehensweise aufzufrischen, und gleichzeitig die Kontrolle über das eigene Schicksal zu erhöhen. Gute Kartenkombinationen sind nicht mehr dem Nachziehglück geschuldet sondern können erspielt werden, der Aufbau von Siegpunktketten erfolgt bei Kashgar deutlich zielgerichteter. Wer allerdings mit dieser Vorstellung an Kashgar geht, könnte eine Enttäuschung erleben. Die eigene Karawane ist bei weitem nicht so gut planbar wie gehofft. Durch die Beschränkung auf 2 zufällige Karten beim Anheuern von Personen ist viel Glück enthalten. Diesem kann zwar mit einigen Karten bewusst begegnet werden, der Geschwindigkeitsverlust ist dabei aber gegebenenfalls immens. Gleichzeitig kristallisierte sich in meinen Gruppen schnell die Strategie heraus, immer eine Karawane aus nur einem Händler zu besitzen um jederzeit Aufträge erfüllen zu können. Wer das schafft, ist klar im Vorteil. Strategien abseits dieser Vorgehensweise entstehen häufig zufällig und sind nur in Ausnahmefällen planbar.

Ist Kashgar also eine Enttäuschung? Nein, Kashgar ist trotzdem ein ordentliches Spiel, konnte meine (vielleicht zu hohen) Erwartungen aber nicht erfüllen. Der Glücksanteil ist für mein Empfinden etwas zu hoch. Gängige Deckbau-Spielen liefern darüber hinaus durch die gezogenen Karten zusätzliche Spannung und sorgen für Emotionen. Etwas das mir bei Kashgar leider fehlt.

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