Dienstag, 20. Mai 2014

Helios

Thematische Sinnsuche
Ein griechischer Sonnengott, Elfen und Zwerge, steampunkartige Gebäude, ein Drache als Startspielermarker und Mammutbaumholz als Rohstoff… über einen Mangel an verschiedenen Themen kann man sich bei Helios, dem neuesten Spiel von Hans im Glück (Martin Kallenborn und Matthias Prinz), wahrlich nicht beschweren. Allerdings vermute ich ja, dass dieses thematische Chaos genau so gewollt war und als subtiler Hinweis auf die vielfachen und verzahnten Möglichkeiten des Spiels verstanden werden soll.

Obwohl Helios selbst in Maximalbesetzung von 4 Spielern nicht sehr viel länger als 1 Stunde dauert, werden wir Spieler in dieser Zeit mit einer Fülle von Möglichkeiten überhäuft. Die eigene Landschaft ausbauen, Gebäude errichten, Personal anwerben und obendrein auch noch die Sonne bewegen. Und all dies nur, um am Ende mal wieder mehr Siegpunkte zu besitzen als unsere Mitspieler.


 
Rohstoffe, Tempel und eine Sonne
Aber beginnen wir am Anfang. Zu Spielbeginn besitzt jeder Spieler gerade einmal ein mickriges Landschaftsplättchen auf seinem Tableau, die Stadt selbst ist sogar gänzlich verweist. Um dies zu ändern, stehen uns 3 verschiedene Aktionsplättchen zur Verfügung. Solange diese noch nicht aufgebraucht sind haben wir jede Runde die freie Auswahl, welche der Aktionen wir ausführen wollen. Gerade zu Beginn ist der Ausbau unseres Reiches dabei sehr beliebt. Wir schnappen uns einfach eines der ausliegenden Rohstoff- oder Siegpunktplättchen und legen dieses an unser wachsendes Reich an, auf dass es uns von nun an mit Waren versorge. Um eine stetige Warenproduktion sicherzustellen, steht uns als weitere Aktion die Sonnenbewegung zur Verfügung. Dabei bewegen wir eine Sonnenscheibe um unser Reich herum. Felder benachbart zum Zielort werden von dieser beschienen und Produzieren Waren (Rohstoffplättchen) oder Siegpunkte (Tempel). Stichwort Tempel: Als dritte Aktion steht uns der Tempel- oder Hausbau zur Verfügung. Während die Tempel Siegpunkte und Mana liefern, bringen Häuser Spezialfunktionen, vergrößern die Sonnenreichweite, oder liefern ebenfalls einige Punkte.

Mana und Siegpunkte
Der Nutzen von Siegpunkten und Rohstoffen muss wohl kaum weiter erläutert werden, was wir nun aber mit Mana anstellen können verdient genauerer Betrachtung. Denn am Ende jeder der insgesamt 4 gespielten Durchgänge dürfen wir für eben jenes Mana Personen anheuern. Diese liegen allerdings so lange gelangweilt bei uns herum, bis sie obendrein noch mit Rohstoffen aktiviert werden. Dann bringen sie einerseits wieder kurzfristige Boni, obendrein aber auch ordentlich Siegpunkte für bestimmte Errungenschaften (etwa Geländeplättchen oder die Sonnenreichweite). Zu diesen Siegpunkten werden nach den 4 mal 8 gespielten Aktionen die im Spielverlauf erworbenen Punkte sowie die errichteten Gebäude hinzuaddiert und schon steht der Sieger fest.


Fazit
Helios ist komplex. Wirklich komplex. Es wollen stets mehrere Dinge gleichzeitig angegangen werden, die Zeit reicht aber allenfalls für einen Bruchteil. Vor allem in den ersten Partien werden viele Spieler an der Fülle der Optionen verzweifeln und vielleicht sogar eine gewisse Überforderung spüren. Wenn das Spiel gerade in dem Moment endet, bevor der eigene Plan beginnt aufzugehen, ist das frustrierend. Die häufig begrenzten Zug-Optionen vergrößern den Druck dabei noch, das eigene Vorgehen muss ständig überdacht und angepasst werden. Ohne einen Plan ist man allerdings ebenso aufgeschmissen, gemütliches „aus-dem-Bauch-heraus“-Spielen ist bereits vom Beginn an zum Scheitern verurteilt. Die Autoren haben es dabei aber trotz aller Komplexität geschafft, alle Elemente aufeinander abzustimmen. Unzählige Wege führen in Helios zum Ziel (zu Punkten) und alle wollen ausprobiert, analysiert und verbessert werden. Für langanhaltenden Spielspaß ist also gesorgt.

Gleichzeitig bietet genau die Fülle an Optionen allerdings auch viel Raum für Fehler, eine Partie ist schnell an die Wand gefahren. Einige Runden werden mit Sicherheit ins Land ziehen, bis man mit den eigenen Ergebnissen zufrieden ist. Darüber hinaus ist Helios fast schon ein Solitärspiel. Interaktion zwischen den Mitspielern kommt allenfalls beim Erwerb der Personen und der Wahl der Aktionsplättchen auf. Ansonsten werkelt jeder in Ruhe vor sich hin. Während dies einige Spieler mit Sicherheit abschrecken wird, mag ich persönlich solche Spiele sehr gerne.

Entsprechend sehe ich auch gerne über die kleineren Probleme (schwieriger Einstieg, fehleranfällig) hinweg und betrachte Helios als ein absolut gelungenes Vielspielerspiel mit überraschend kurzer Spielzeit und einigen innovativen Mechanismen.


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