Sonntag, 3. Januar 2016

Willkommen im Dungeon



Wir alle kennen sie. Wackere Helden, die sich furchtlos jeder Gefahr entgegen werfen, übermächtige Gegner zur Schlacht fordern und auch in den ausweglosesten Situationen nicht zögern. Aber wer beachtet eigentlich all die anderen Recken? Jene, die vor der Schlacht sicherheitshalber lieber noch ein Heilkraut mehr einstecken? Die dem Drachen lieber mit Unterstützung eines befreundeten Heeres entgegentreten? Oder jene, die aus purer Nächstenliebe dann eben doch dem übermotivierten Kollegen den Vortritt lassen? Bei Willkommen im Dungeon (Masato Uesugi / Heidelberger Spieleverlag) können wir nun zeigen, zu welcher Kategorie Held wir wirklich gehören.


Denn bevor wir uns in den Dungeon wagen, bestimmen wir vorab erst einmal gemeinsam dessen Bestückung mit Monstern und die verfügbare Ausrüstung. Nur wer mutig (oder dämlich) genug ist auch der stetig wachsenden Gefahr zu trotzen, wird tatsächlich den Dungeon betreten.




Die Planung
Ein einzelner Held steht zu Beginn jeder Runde bereit, den (anfangs noch leeren) Dungeon zu betreten. Die vier verschiedenen Recken verfügen dabei über unterschiedliche Ausrüstungskarten (jeweils sechs an der Zahl) sowie Lebenspunkte. Dass dieser Held am Ende der Runde den Dungeon betritt steht dabei von vornherein fest. Die Frage ist nur, welcher Spieler in steuert. Und um dies zu bestimmen, dürfen wir reihum entweder entscheiden die Flucht anzutreten, oder aber eine Karte vom Monsterstapel zu ziehen. Entscheiden wir uns für letzteres, bleiben wir weiter im Rennen. Die gezogene Karte landet entweder als verdecktes Monster im Dungeon oder wird abgeworfen. Entscheiden wir uns für das Abwerfen, müssen wir allerdings auch eine Ausrüstungskarte vernichten, was den Helden spürbar schwächt.





Der Beutezug
Irgendwann im Laufe einer Runde haben alle Spieler bis auf einen gepasst, der nun den Dungeon betreten muss. Der Reihe nach werden alle ausgespielten Monster gezogen und müssen bekämpft werden. Häufig hilft hier die Ausrüstung, wodurch manche Monster direkt vernichtet werden. Geschieht dies nicht, verursachen die Gegner Schaden und besiegen damit nach und nach den Helden. Überlebt der Recke allerdings den gesamten Dungeon, bekommt er eine Erfolgskarte. Beim zweiten Erfolg wird er zum Sieger gekürt. Wer allerdings zweimal scheitert, der ist leider aus dem Spiel.




Fazit
Willkommen im Dungeon vereint gelungen Bluff und Push-Your-Luck Elemente. Wer zu ehrgeizig und ist und ständig in den Dungeon stürmt dürfte ebenso Probleme haben zu gewinnen wir jene, die sich nicht trauen auch nur einen Fuß vor die Türschwelle zu setzen. Ein gesunder Mittelweg ist hier der Schlüssel zum Sieg. Da die Mitspieler genau dies aber auch vorhaben, entspinnt sich ein ständiges Geflecht aus Abtasten, Vorgaukeln und Deduktion. Der Dungeon selbst wird dann zwar „nur“ abgearbeitet, die Spannung erreicht hier allerdings stets den Höhepunkt, zumeist gehen die Versuche denkbar knapp aus. Einzig bei unerfahrenen Spielern sind auch krachende Niederlagen oder Durchmärsche an der Tagesordnung. Zugleich sind die Regeln von Willkommen im Dungeon nicht kompliziert, der Mechanismus ist schnell verstanden und verinnerlicht. Die vier verschiedenen Charaktere sorgen dabei für Abwechslung und lassen vorerst keine Monotonie aufkommen. Auch die Gestaltung ist rundheraus gelungen, die Karten sind sehr liebevoll gezeichnet und laden auch abseits einer Partie zur Betrachtung ein.


Gestört hat mich dagegen die Tatsache, dass Spieler ganz aus dem Spiel ausscheiden können. Nach zwei Fehlversuchen (was gerade Anfängern schnell passiert), kann man durchaus für einige Zeit zum Zuschauen verdammt sein. Aufgrund der überschaubaren Spieldauer ist dies aber, sofern es nicht sehr extrem läuft, gerade noch verkraftbar.

Insgesamt ist Willkommen im Dungeon damit ein kurzweiliges Spiel für Zwischendurch, dass insbesondere auch durch sein Thema und die gelungene Aufmachung für Spaß sorgt.

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