Freitag, 15. April 2016

Game of Thrones: Das Kartenspiel



Kurze Umfrage: Wer ist / war euer Lieblingscharakter in Game of Thrones? … Ach ehrlich? Na das tut mir jetzt aber leid. … OK, zugegeben. Besonders neu ist der Witz jetzt nicht. Aber damit passt die Einleitung ja wunderbar zum heutigen Spiel. Denn auch „Game of Thrones: Das Kartenspiel“ (Nate French und Eric Lang / Heidelberger Spieleverlag) ist nicht wirklich neu. Vielmehr handelt es sich bei der aktuellen Version um die zweite Auflage, die aber sehr viele Parallelen zur ersten Edition aufweist.

Nach wie vor übernehmen wir die Rolle eines der großen Häuser von Westeros, und versuchen mit aus Buch und Film bekannten Orten, Charakteren und Ereignissen die Macht und den Eisernen Thron zu erringen. Und schauen ganz nebenbei dabei zu, wie unsere Mitspieler all diese Errungenschaften in kleine handliche Stückchen zerlegen. 


Das Spielprinzip
Bevor wir überhaupt mit der Partie beginnen, müssen wir uns natürlich für eines der großen Häuser von Westeros entscheiden. Sechs davon sind in der Box enthalten, darunter die üblichen Verdächtigen wie Lannister, Stark und Targaryen. Da die Auswahl an Karten in der Basisbox allerdings noch begrenzt ist, bilden entweder jeweils zwei Fraktionen ein Spielerdeck, oder es wird mit weniger Karten gespielt als eigentlich zulässig. Im Deck selbst finden sich auf alle Fälle haufenweise bekannte Charaktere, diverse Orte und verschiedene Ereignisse die auf ihren Einsatz warten.

Strategiekarten
Jede Runde beginnt dabei mit dem Spielen einer Strategiekarte. Sieben davon haben wir zuvor zur Seite gelegt, welche wir wann nutzen steht uns frei. Diese Karten bestimmen unter anderem die Initiative sowie unseren Goldertrag, darüber hinaus geben sie verschiedene Sonderregeln vor. Haben alle Spieler ihre Strategiekarte gespielt, dürfen im Folgenden beliebig viele Handkarten in die Auslage gelegt werden. Zumindest solange unser Gold ausreicht.
 
Herausforderungen
Wurden alle Rundevorbereitungen abgeschlossen, folgt der Kern des Spiels: Die Herausforderungen. Nun darf jeder Spieler insgesamt drei Herausforderungen aussprechen, wozu die ausgespielten Charaktere verwendet werden. Jeder davon verfügt über Stärkepunkte in einem oder mehreren Bereichen und kann entsprechend für Angriff oder Verteidigung eingesetzt werden. Militäreinsätze dienen dazu, gegnerische Einheiten zu vernichten, mit Intrige-Herausforderungen lassen wir die Mitspieler Karten abwerfen. Bleiben noch die Machtduelle, mit denen wir an weitere Machtpunkte kommen. Da 15 davon den Spielsieg bedeuten, sollte man diese nicht unterschätzen. Wichtig ist, dass verwendete Charaktere gebeugt werden und damit für diese Runde nicht mehr weiter zur Verfügung stehen. Es muss also stets zwischen Angriff und Verteidigung abgewogen werden.


Buhurt
Im Wesentlichen war es das schon mit den Regeln von GoT. Zumindest was das Spiel zu zweit betrifft. Denn ab drei Spielern kommt mit den Titelkarten ein weiterer, wichtiger Aspekt hinzu. Diese stehen uns stets zu Beginn einer Runde zur Verfügung und dürfen in Initiativereihenfolge gewählt werden. So werden wir etwa zur Hand des Königs, dem Herrn der Münze oder direkt zum Regenten. Alle Rollen bieten dabei verschiedene Vorteile (etwa mehr Gold oder Karten), bestimmen zudem aber auch die Verhältnisse zwischen den Spielern. So unterstützt etwa der Meister der Münze den Meister der Schiffe und darf ihn entsprechend nicht herausfordern. Gleichzeitig steht er dem Meister der Flüsterer konkurrierend gegenüber, weshalb Siege hier besonders lukrativ sind. Neben guten Karten benötigt ihr also auch das richtige Händchen bei der Wahl eurer Rollen, um am Ende den Eisernen Thron besteigen zu können.


Fazit
"Wenn man das Spiel der Throne spielt, gewinnt oder stirbt man.“ Dieses Zitat trifft auch sehr genau auf das Spielgefühl des GoT-Kartenspiels zu. Denn obwohl die Regeln für ein Living Card Game sogar recht überschaubar sind, ist das Spiel unerbittlich wie kaum ein Zweites. So schnell wie das eigene Reich, die eigenen Truppen aufgebaut sind, so schnell werden sie von den lieben Mitspielern auch wieder zerschlagen. Gerade beim Buhurt schwappt das Kriegsglück ständig hin und her, wie in der Serie sollte man sich lieber mit dem Gedanken anfreunden, dass nichts von Dauer ist. Dementsprechend wird das Gefühl der Vorlage tatsächlich sehr gut transportiert, auch Bündnisse und Verrat gehören zur Tagesordnung. Zumindest in Partien ab drei Spielern.

Zu zweit wirkt das GoT-Kartenspiel dagegen deutlich beliebiger. Wie bei vielen anderen Spielen dieser Art bestimmt hier eine Art Wettrüsten das Spielgeschehen, das hervorstechende Element fehlt dagegen. Zwar funktioniert das Spiel auch als Duell, der besondere Reiz geht allerdings verloren. Darüber hinaus sollte jedem Käufer klar sein, dass es sich hier tatsächlich nur um eine Grundbox handelt. Auch wenn die enthaltenen Karten durchaus für etwas Abwechslung sorgen, steckt sehr viel Spaß im Ausloten weiterer Möglichkeiten, spannender Deckkombinationen und dem Zusammenwirken der Karten. Dazu werden allerdings Erweiterungspakete benötigt, die vom Heidelberger Spieleverlag glücklicherweise bereits angeboten werden.

Wer mit dem LCG-Charakter leben kann und Spaß an unnachgiebigen und hinterhältigen Spielsystemen hat, der kann beim GoT-Kartenspiel bedenkenlos zugreifen. Ein Spiel, dessen Gefühl näher an der Vorlage liegt, werdet ihr so schnell nicht finden.


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