Montag, 18. April 2016

Zombicide: Black Plague



Wer kennt sie nicht? Jene Tage, an denen einfach Alles schief geht. Der Kaffee ist leer, das Auto springt nicht an und bei der Arbeit wartet bereits der Chef mit hochrotem Kopf. Und dennoch: Es könnte alles noch viel schlimmer sein. Vor vielen Jahrhunderten hatten die Menschen mit Missernten, dem schwarzen Tod und tyrannischen Adeligen zu kämpfen. Wenn dann auch noch Totenbeschwörer auf der Bildfläche auftauchen und eine Zombiearmee aus dem Boden stampfen, dann ist das Elend perfekt.

Doch glücklicherweise sind wir in Zombicide: Black Plague (Guiton, Lullien, Raoult / Asmodee) alles andere als wehrlos. Mit Waffen, Rüstung und Magie stellen wir uns der untoten Horde in den Weg. Und wenn dabei der eine oder andere tyrannische Adelige seinen Kopf verliert… umso besser.


Ein neues Werk?

Bei Zombicide: Black Plague handelt es sich um einen Ableger des klassischen Zombicide. Obwohl beide Spiele nicht miteinander kombinierbar sind, verfügen sie dennoch über ein weitgehend identisches Regelwerk. Dementsprechend werde ich an dieser Stelle auch nicht mehr im Detail auf alle Regeln eingehen, sondern den Fokus auf die Änderungen legen. Wer sich ausführlicher über Zombicide informieren möchte, der sei auf den Beitrag HIER verwiesen. Eine kurze Zusammenfassung findet ihr im folgenden Abschnitt, den erfahrene Zombicide-Spieler problemlos überspringen können.

Zombicide
Zombicide ist ein kooperatives Spiel, bei dem jeder Spieler in die Rolle eines wackeren Helden schlüpft um (je nach Szenario) Zombiehorden zu erledigen, Nahrung zu finden oder einfach nur einen sicheren Unterschlupf aufzusuchen. Stets sammeln wir dabei bessere Ausrüstung, erhalten Erfahrung und steigern unsere Fähigkeiten. Das Besondere an Zombicide ist dabei, dass die anstürmenden Gegner mit steigender Erfahrung gefährlicher werden. Da hier immer der aktuell erfahrenste Spieler zählt, ist gemeinsames und koordiniertes Vorgehen unerlässlich. Zombicide gefällt dabei insbesondere durch das relativ eingängige Regelwerk gepaart mit reichlich Abwechslung und (inzwischen) einem großen Berg spannender Erweiterungen.


Das Material
Was erfahrenen Spielern an Black Plague wohl zuerst auffallen dürfte, ist das neue Material. Denn bei der Verwaltung der Charaktere müssen wir nun nicht mehr mit schnöder Pappe vorlieb nehmen, sondern bekommen enorm praktische Plastiktableaus. Mittels kleiner Stecker können wir Fähigkeiten markieren, auch für Waffen und weitere Ausrüstung finden sich Plätze. Das verrutschen der Charaktere aus dem Vorgänger gehört damit der Vergangenheit an. Darüber hinaus bekommt jeder Charakter eine farblich passende Base, sind die Figuren doch inzwischen nicht mehr so knallbunt wie noch im Original.

Die Helden
Auch bei den Helden und deren Verwendung gibt es durchaus Unterschiede. Denn nun haben wir Platz für deutlich mehr Karten. Zwei davon halten wir in Händen, dazu eine Rüstung und Platz für fünf Karten im Rucksack… an Ausrüstung mangelt es uns nicht mehr. Apropos Rüstung. Da Black Plague deutlich mehr Nahkampf verlangt, können wir uns nun mit Rüstungen ausstaffieren. Trifft uns ein Zombie, verhindern wir damit (den passenden Würfelwurf vorausgesetzt) die Wunde. Noch ein Schild dazu und der Wurf darf sogar wiederholt werden. So können wir selbst mehrere Runden inmitten einer Horde Zombies überstehen. Sollte doch einmal ein Treffer durchgehen, benötigt es inzwischen auch drei Wunden um das Zeitlich zu segnen, Ausrüstungskarten müssen wir dabei nicht mehr ablegen. Wir sind in der Summe also ungleich widerstandsfähiger. 


Der Nekromant
Doch auch die Gegner haben aufgerüstet. Kennt man die gängigen Zombies allesamt aus den Vorgängern, stellt uns der Nekromant vor gänzlich neue Herausforderungen. Dieser ist zwar ein kämpferischer Totalausfall, kommt aber stets in Begleitung einer weiteren Brutzone. Schafft er es, quer über den Plan zu entkommen, wird diese permanent. Da wir bei sechs Brutzonen auf dem Plan automatisch verlieren, sollte der Nekromant schnellstmöglich ausgeschaltet werden. Was, wenig überraschend, häufig nicht ganz einfach ist.

Das Spiel
So, jetzt habe ich ausführlich über Änderungen im Material und neue Ideen gesprochen. Viel spannender ist allerdings, wie sich das Spielgefühl ändert? Und hier kann man sagen, dass zwar nach wie vor klar Zombicide in der Packung steckt, sich das Ganze aber dennoch unterschiedlich anfühlt. So ruht der Fokus viel mehr auf dem Nahkampf. In fast jeder Partie stürmen einige Helden früher oder später in die Meute und versuchen die Sache im Nahkampf zu entscheiden. Zombies auf Distanz zu halten funktioniert dagegen eher selten, zumal es mit Bogenschütze und Magier nur zwei designierte Fernkämpfer gibt. Auch die Fettbrocken stellen hier häufig ein Problem dar, finden sich doch eher wenige Waffen die ausreichend Schaden verursachen. Umso spannender ist das bislang noch nicht erwähnte Gewölbe. Einerseits eine Abkürzung zwischen zwei Feldern, andererseits Quelle für zwei der spannendsten Ausrüstungskarten. Und glaubt mir: Um dieses Chaos zu überleben werdet ihr solche Waffen dringend benötigen.


Fazit
Das Fazit beginne ich heute einfach mal mit einer sehr überraschenden Aussage: Ich mag Zombicide. Ich mag Zombicide wirklich sehr gerne. Das einfache und sehr direkte Vorgehen, das Ausrüsten und Aufsteigen der Charaktere und auch die anhaltende Spannung in fast jeder Partie wissen einfach lange zu begeistern. Wenn ihr mehr lesen wollt, solltet ihr HIER mal vorbei schauen. Die große Frage die sich nun allerdings stellt ist: Was ändert Black Plague daran? Und lohnt es sich, wenn man bereits den Vorgänger (und unzählige Erweiterungen besitzt)?

Zuerst einmal: Ja, auch Black Plague weckt in mir eine ähnliche Begeisterung wie der Vorgänger. Genau genommen, halte ich Black Plague sogar für das etwas bessere Spiel. Neben den materiellen Verbesserungen fühlen sich auch die Szenarien etwas abwechslungsreicher an und der Nekromant sorgt für das zusätzliche Quäntchen an Bedrohung. Durch den häufigen Nahkampf sind die Kämpfe obendrein etwas Adrenalin-geladener, die Gegner permanent auf Distanz halten klappt kaum noch. Etwas schade fand ich allerdings, dass es nur sechs verschiedene Charaktere gibt. Auch wenn diese teilweise sehr unterschiedlich sind, hätte ich mir an dieser Stelle etwas mehr Abwechslung gewünscht. Obendrein ist der Einstieg schwieriger, wer keine Erfahrung mit Zombicide hat, der muss schon einiges verdauen und beachten.

Bleibt zum Abschluss die Königsfrage: Brauche ich Black Plague, wenn ich bereits Zombicide besitze? Tja, das kann ich euch leider auch nicht sagen. Was ich allerdings sagen kann, ist Folgendes: Würde ich jetzt erst einsteigen, würde ich klar zu Black Plague greifen. Hätte ich bislang nur ein Basisspiel des Originals, würde ich mir einen Wechsel zu Black Plague ernsthaft überlegen. Einzig wenn ich bereits mehrere Sets und Erweiterungen mein Eigen nenne, bietet Black Plague (abseits vom Material) wohl zu wenig Neues. Allerdings bin ich Zombicide in diesem Falle sowieso schon komplett verfallen… und habe Black Plague längst gekauft.


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