Donnerstag, 11. Juni 2015

Pandemie

Ein Meilenstein der kooperativen Spiele
Wer mehr oder weniger regelmäßig Berichte über Brettspiele liest, der hat sicherlich schon einmal den Spruch „Das kommt bestimmt mal wieder auf den Tisch“ aufgeschnappt. An dieser Stelle verrate ich euch jetzt mal ein Geheimnis. Eigentlich bedeutet das zumeist nichts anderes als „Ganz nett, aber bei der Masse an Spielen schnell abgemeldet“. Denn Spiele die tatsächlich für eine lange Zeit immer wieder auf den Tisch kommen sind enorm selten. Pandemie (Matt Leacock /Asmodee) ist genau so ein Spiel. Entsprechend werde ich euch Heute einmal die neueste Auflage ein Werkes vorstellen, das durchaus schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Da ich aber natürlich nicht gänzlich ohne Neuheiten auskomme, folgen in Kürze Besprechungen zu den beiden Erweiterungen und im weiteren Jahresverlauf dann mit „Die Heilung“ (hier ein Vorbericht) und „Legacy“ hoffentlich zwei Ableger. Doch kommen wir nun zuerst einmal zum ursprünglichen Spiel.


 

Die Krankheit
Wenn man bedenkt was bereits einzelne Seuchen in der Menschheitsgeschichte angerichtet haben, dann bekommt man schon einen Eindruck von den Problemen die uns beim gleichzeitigen Ausbruch von vier Seuchen erwarten. Denn genau gegen diese gilt es in Pandemie ein Heilmittel zu finden um zu gewinnen. Dazu müssen wir eigentlich nur lange genug aushalten. Denn ein Heilmittel erforschen wir, indem wir fünf farblich passende Handkarten abgeben von denen wir in jeder Runde automatisch 2 zufällig erhalten. Leider erschwert das knappe Handkartenlimit das Sammeln und zugleich werden die Karten an anderer Stelle dringend benötigt. Denn mit simplem Abwarten ist es in Pandemie natürlich nicht getan.


Die Symptome
Das grundlegende Problem stellen dabei die Krankheitswürfel dar, die in 4 Farben den Spielplan füllen. Nach jedem Zug eines Spielers breiten sich die Krankheiten weiter aus, indem mehrere Seuchenkarten gezogen werden. Diese geben den Ort und damit auch die Farbe der Seuche an. Vor Spielbeginn werden diese Karten zufällig gemischt, im Verlauf des Spiels können aufmerksame Spieler aber zunehmend Informationen sammeln um zumindest größere Gefahrenquellen zu identifizieren. Und die größten Gefahrenquellen sind hier ganz klar jene Städte, in denen bereits drei Krankheitswürfel liegen. Denn sobald ein vierter Würfel dazugelegt werden soll, kommt es zum Ausbruch. Anstatt den Würfel in die betroffene Metropole zu legen, sind alle Nachbarstädte betroffen. Kettenreaktionen sind hier natürlich inklusive. Und wie es sich für ein kooperatives Spiel gehört, verlieren wir automatisch sobald zu viele Ausbrüche auftreten. Auch das Ausgehen der Krankheitswürfel oder das Aufbrauchen des Kartenstapels führt zur sofortigen Niederlage.

Die Heilung
Um dies zu verhindern stehen jedem Spieler pro Runde nur 4 mickrige Aktionspunkte zur Verfügung. Mit diesen reist man üblicherweise über den Plan, entfernt Krankheitswürfel oder schiebt seinen Mitspielern Karten zu. Gibt man zusätzlich eine der wertvollen Karten ab, kann man alternativ auch längere Strecken fliegen oder ein Forschungslabor errichten, welches zur Heilmittelforschung nötig ist. Dass die Aktionen dabei niemals wirklich ausreichen um alle Bedrohungen abzuwenden versteht sich von selbst. Dementsprechend bekommt jeder Spieler vorab noch eine Rollenkarte, die besondere Fähigkeiten bietet. So stellen manche Charaktere günstiger Gegenmittel her, andere entfernen sehr effektiv Seuchenwürfel oder tauschen besonders gut Karten. Doch selbst mit all diesen Optionen ist der Kampf gegen die Seuchen nicht leicht zu gewinnen.

 


Fazit
Was soll ich denn nun im Fazit noch schreiben, was ich nicht schon in der Einleitung erwähnt habe? Wenn ein Spiel nach so vielen Jahren immer noch gespielt wird, muss es sich schlicht um etwas Besonderes handeln. Dass es obendrein noch eine Inspiration für viele Ableger (etwa „Die vergessene Stadt“ hier) oder Neuentwicklungen war, verstärkt diese Empfindung nur. Pandemie ist schlicht und ergreifend ein elegantes und spielerisch überzeugendes Werk, das trotz der überschaubaren Regeln zu fesseln vermag. Dabei stellt jedes Spiel eine neue Herausforderung dar, die vielfältigen Rollen sorgen für Abwechslung.

Und dennoch ist genau das auch eine der wenigen Schwachstellen. Trotz sehr variabler Rollen beginnen die Partien sich nach einiger Zeit doch zunehmend zu ähneln. Auch wenn ich hier nicht unbedingt von sich einschleichender Routine sprechen mag, wäre etwa mehr Abwechslung doch wünschenswert. Und genau hier kommen die Erweiterungen ins Spiel, die ich euch in den kommenden Wochen vorstellen werde.

Doch auch alleine stellt Pandemie ein herausragendes Spiel und eines der Highlights des Genres dar.



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