Mittwoch, 27. Februar 2019

L.A.M.A.


Es ist ja nicht ungewöhnlich, dass neue Spiele in der Szene eine gewisse Begeisterung auslösen. Gründe dafür sind nicht selten ein Berg von Material, dutzende Figuren und ein möglichst dickes Regelwerk. Ab und an führen aber auch kleine Kartenspiele bei vielen Spielern zu Freudensprüngen. So etwa vor einem Jahr bei The Mind oder zuletzt bei Belratti. Ein nagelneuer Vertreter der Sorte „Freudensprung“ scheint nun L.A.M.A. (R. Knizia / Amigo) zu sein, bewertete doch nicht zuletzt Udo Bartsch das kleine Spiel mit einem sehr seltenen „außerordentlich“.







Lege Alle Minuspunkte Ab
Eigentlich ist das Spiel mit dem namensgebenden Satz „Lege Alle Minuspunkte Ab“ schon weitestgehend erklärt. Denn am Ende einer Runde bekommen wir für jede unterschiedliche Zahl auf der Hand Minuspunkte. Also wollen wir unsere anfänglich 6 Handkarten schnellstmöglich loswerden. Dazu legen wir nacheinander Karten in die zentrale Auslage. Stets darf nur eine identische oder eine um 1 höhere Zahl gelegt werden. Einzig das Lama springt hier etwas aus der Reihe indem es auf die 6 gelegt, selbst aber von der 1 überdeckt wird. Solange die Karten mitspielen ist das kein Problem. Spannend wird es, wenn es nicht passt.


Wenn es mal nicht passt
Denn sobald ein Spieler nicht kann, hat er zwei Möglichkeiten. Entweder er zieht eine Karte nach oder er steigt aus. Eine zusätzliche Karte bietet eventuell neue Möglichkeiten, zugleich potentiell aber auch weitere Minuspunkte. Steigt man aus, sind die Minuspunkte dagegen auf die aktuellen Handkarten begrenzt. Zugleich setzt man die Mitspieler unter Druck, darf doch nicht mehr nachgezogen werden, sobald nur noch ein Spieler dabei ist. Davon abgesehen endet die Runde auch, wenn ein Spieler keine Handkarten mehr hat. Dieser darf dann sogar einen Chip (Minuspunkte) ablegen, was mitunter sehr lohnend sein kann. Denn bei 40 Minuspunkten ist das Spiel zu Ende und der Sieger steht fest.

Fazit
L.A.M.A. weckt Emotionen. So viel kann ich direkt mal vorwegnehmen. Bei wenigen Spielen wird am Tisch so viel geflucht, gelacht und gejammert. Und das schon nach wenigen Minuten, denn das Spielprinzip ist in Windeseile erklärt und verstanden. Auch die Partien selbst laufen sehr flott, groß Möglichkeiten zu Grübeln gibt es schlicht nicht. Und dennoch sind die Entscheidungen dabei nicht immer so trivial, wie man zu Beginn vielleicht denken mag. Jede Karte die man zusätzlich zieht kann teuer werden, ebenso wie zu früh auszusteigen. Der Wunsch, einen Chip loszuwerden, lässt einen darüber hinaus oft länger im Spiel bleiben, als gut für einen ist. Zudem kann dadurch selbst der vermeintlich hoffnungslos Abgeschlagene zurück ins Spiel finden.

Dennoch ist L.A.M.A., neben den Emotionen, im Wesentlichen sehr viel Zufall. Selten habe ich hier wirklich das Gefühl, eine relevante Entscheidung zu treffen. Passt nur eine meiner Karten, lege ich sie. Passen zwei, lege ich zumeist die niedrigere und hoffe auf eine weitere Runde. Einzig, wenn ich mehrere Karten einer Art habe, komme ich vielleicht ins Grübeln. Entsprechend ist die wesentliche Entscheidung, wann ich aussteige. Mir persönlich ist das etwas zu wenig. Zudem kommt es selbst bei einem so kurzweiligen Spiel ab und an zu (relativ) zähen Partien. Kann keiner die Auslage bedienen kommt es vor, dass die Spieler über mehrere Runden Karten nachziehen und damit quasi von vorne beginnen. Zu zweit hat mir L.A.M.A. darüber hinaus gar nicht gefallen.

L.A.M.A. weckt Emotionen und ist perfekt geeignet, um Stimmung in eine Runde zu bringen. Hier brilliert das Spiel tatsächlich, ich kann und will die Begeisterung einiger Spieler gar nicht wegdiskutieren. Gerade Wenigspieler finden hier ein kurzweiliges und sehr unterhaltsames Kleinod. Persönlich wünsche ich mir aber mehr Entscheidungen, mehr Einfluss auf das Spiel. Ich empfinde dieses Lama als zu fleischlos.


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