Freitag, 26. Februar 2016

Super Dungeon Explore: Der vergessene König



Ich liebe ja Spiele, bei denen eine Gruppe wackerer Helden Verliese erkundet, Monster verdrischt und Schätze hortet. Wenn da also ein neues Werk um die Ecke kommt, dass sich „Dungeon Explore“ nennt, werde ich quasi sofort neugierig. Und wenn dann noch ein „Super“ davor steht, dann kann das ja quasi nur noch… naja… super werden. Und obendrein baut Super Dungeon Explore (Chris Birkenhagen, John Cadice, Deke Stella / Heidelberger Spieleverlag) auch noch auf alten 8-Bit Videospielen auf. Hach, Nostalgie ist doch was Feines.

Während Super Dungeon Explore mit seinem Anime-Stil optisch durchaus aus der Masse hervorsticht, kommt einem spielerisch doch einiges bekannt vor. Und so erobern wir (im Team oder gegen einen Overlord) Dungeons, bringen Monster um die Ecke und sammeln dabei Ausrüstung, um noch besser erobern und um die Ecke bringen zu können.


Bevor es los geht
Bevor eine Partie Super Dungeon Explore beginnen kann, sollte zuerst einmal eine Frage geklärt werden: Gemeinsam oder alle gegen einen? Denn das Spiel bietet sowohl Regeln als auch Material für beide Modi. Und beide Modi spielen sich (zumindest auf Seite der Helden) sehr ähnlich.

Ist diese Entscheidung getroffen, müssen sich die Helden naturgemäß noch für eine Figur (nebst sehr unterschiedlichen Fähigkeiten) entscheiden. Auch bei den Gegnern hat man (laut Regel) die Qual der Wahl. In der Praxis ist hier aber erst mit separat erhältlichen Erweiterungen eine Wahl möglich, ansonsten nimmt man einfach alles was sich in der Grundbox befindet und schaufelt es aufs Brett.


Den Dungeon betreten
Und die Aussage „aufs Brett schaufeln“ kann durchaus ernst genommen werden. Denn wenn die Helden den Dungeon betreten, ist dieser bereits prall gefüllt mit Monstern, Truhen und allerlei weiterem Zeug. Ziel der Helden sollte es nun sein, die im Dungeon verteilten Beschwörungspunkte zu vernichten, die für ständigen Nachschub an Monstern sorgen. Natürlich hat der Dungeon-Boss dagegen einiges einzuwenden und wirft uns allerlei Lakaien, Kriecher und Mini-Bosse in den Weg. Glücklicherweise versprechen diese wiederum interessante Schätze, die uns bei weiteren Konfrontationen helfen.


Zum Angriff
Der Rundenverlauf selbst ist dabei recht simpel gehalten. Abwechselnd aktivieren wir zwei unserer Helden, im Anschluss darf der Bösewicht agieren. Den Helden stehen dabei eine feste Zahl an Bewegungs- sowie Aktionspunkten zur Verfügung. Diese können sie frei für verschiedene Angriffe oder Sonderaktionen nutzen, wovon jeder Held natürlich diverse besitzt. Die Gegner werden dagegen je nach Modus von einem Dungeon-Boss oder per Zufall durch eine gezogene Monsterkarte aktiviert.
Kommt es zum Kampf stehen uns Würfel in drei verschiedenen Farben zur Verfügung, mit denen wir Attacken, Zauber oder ähnliches Ausführen. Im vollkooperativen Modus sind dabei für Angriff wie Verteidigung vorgegebene Zielwerte zu erreichen, ein Overlord darf dagegen selbst zu den Würfeln greifen. Besonders begehrt sind dabei Sterne, die für einen Erfolg stehen. Aber auch Herzen und Tränke sind auf den Würfeln zu finden. Auf diesem Wege können wir etwa heilen oder unseren Trankvorrat auffrischen, der wiederrum für allerlei Sonderaktionen genutzt werden kann.


Der Sieg
Ziel unserer Helden sollte es stets sein, alle Beschwörungspunkte auf den Plänen auszuschalten. Denn nur so wird der finale Boss beschworen, dessen Ableben gleichbedeutend mit dem Sieg ist. Anders als bei ähnlichen Vertretern dieser Art Spiel ist es hier allerdings nicht ratsam, allzu vorsichtig vorzugehen. Denn die Beschwörungspunkte schaufeln stetig neue Monster aufs Brett und die eigenen Leben sind begrenzt. Welch Glück also, dass wir als Team unterwegs sind und uns stets unterstützen können. Das geht sogar so weit, dass wir uns gegenseitig Tränke zuschaufeln oder heilen können, selbst wenn wir an unterschiedlichen Enden des Dungeons sind. Allerdings ist das auch nötig, denn bis all die Monsterhorden besiegt sind ist es doch ein hartes Stück Arbeit.


Fazit
Was beim Öffnen der Box von Super Dungeon Explore zuerst auffallen dürfte, ist die quietschbunte und zuckersüße Optik. Die ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache, mit einem Blick auf die Box ist man allerdings ausreichend vorgewarnt. Ansonsten kann der Inhalt auf den ersten Blick überzeugen. Die Figuren sind hochwertig und sehen richtig gut aus, auch Karten und Pappteile sind von guter Qualität und reichlich vorhanden. Zwei dicke Regelbücher (für die verschiedenen Spielmodi) runden den Ersteindruck ab und deuten bereits an, was da noch so kommt.

Denn während die grundlegenden Kampfregeln recht einfach gehalten sind, erschlägt die schiere Masse an Sonderregeln, Fähigkeiten und allerlei Schnickschnack. Von Synergien bei Monstern, mannigfaltigen Fallen, Haustieren und Bergen verschiedener Schätze… hier verliert man leider schnell den Überblick. Und die Regel tut wenig dafür, dass wir diesen Wiederfinden. Die ersten Partien ähneln demnach mehr einem Stochern im Nebel als planvollem Spiel. Hier wäre weniger durchaus mehr gewesen, zumal sich viele Fähigkeiten nur marginal unterscheiden. Obendrein ist das Konzept mit zwei Regelbüchern für die verschiedenen Modi zwar durchaus interessant, aber nicht optimal umgesetzt. So tauchen bei den kooperativen Regeln immer wieder Textstellen auf, die sich auf den Dungeon-Boss beziehen, der aber gar nicht mit von der Partie ist. Auch andere Elemente scheinen im kooperativen Modus etwas fehl am Platz (etwa die Fallen) und wirken wie mit heißem Drachenfeuer gestrickt.

Mit Abstand am störendsten empfand ich allerdings die schlussendlich doch sehr geringe Variabilität. Obwohl reichlich Figuren enthalten sind, werden diese tatsächlich stets alle benötigt. Auch bei den Helden sind nur fünf mit von der Partie, die man entsprechend schnell gesehen hat. An und für sich wäre all das noch nicht schlimm. Aber leider stößt mich das Regelbuch an allen Ecken und Enden darauf, dass ich mir hier Monster aussuchen, dort Lakein wählen und dann noch bei den Karten etwas aussortieren darf. Klingt gut, ist aber schlicht falsch. Das geht sogar so weit, dass die Regel vorgibt zwei bis drei Unterbosse aufzustellen, sich in der Box aber nur zwei befinden. Das solche Spiele auf Erweiterungen setzen ist nicht neu. Auch dass die Startbox noch keine umfassende Sammlung aller Figuren enthält versteht sich fast von selbst. Aber persönlich hatte ich noch nie das Gefühl, ein unvollständiges Spiel in Händen zu halten. Bis jetzt. Denn Super Dungeon Explore schreit an allen Ecken und Enden nach Erweiterungen. Und auch wenn diese durchaus schon auf Deutsch zu bekommen sind, erwarte ich doch auch von einem Basisspiel einiges mehr.

Dementsprechend kann ich Super Dungeon Explore eigentlich nur all jenen empfehlen, die auch gleich bereit sind einige Erweiterungsboxen zu kaufen. Allerdings hebt sich das Spiel auch dann meiner Meinung nach allenfalls durch die Aufmachung von der Masse ab.


Kommentare:

  1. Danke für die Rezension, hatte auch mal drüber nachgedacht mir das Spiel zu kaufen, aber nun bleib ich lieber vorerst bei Arcadia und springe vielleicht eher mit auf den Zombicide Zug auf ;-).

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  2. Wenn du in erster Linie ein kooperatives Spiel suchst, kann ich Zombicide absolut empfehlen. Inzwischen ist mit Black Plague auch die neue Version (Mittelalter / Fantasy) erschienen, die in eingen Bereichen noch einmal verbessert wurde.

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