Mittwoch, 11. Mai 2016

Lichterfest



Kennt ihr diese alte Spielshow? Die, bei der die Mitspieler nach der Meinung von 100 zufälligen Passanten gefragt werden? Ganz so in der Art: Was antworteten die meisten Passanten auf die Frage, was zu einem Fest gehört? Ich vermute mal, hier würden wohl Alkohol, Essen, laute Musik und Freunde die vorderen Plätze einnehmen. Weit weniger wahrscheinlich ist dagegen die Nennung von Lampions, See und Lichtermeer. Das könnte sich nun ändern.

Glaubt ihr mir nicht? Na dann solltet ihr dringend einen Blick auf Lichterfest (Christopher Chung / Pegasus) werfen. Denn hier dekorieren wir einen See mit Lampions, sammeln Farbkarten und kassieren Punkte. Wirklich spannend ist allerdings, dass die lieben Mitspieler von jedem gelegten Plättchen ebenfalls profitieren. Den eigenen gegen den fremden Nutzen abzuwägen, das ist der Schlüssel zum Sieg.


Stille Wasser,…
Der See, der schlussendlich in beeindruckenden und leuchtenden Farben erstrahlen soll, ist anfänglich noch wenig imposant. Gerade einmal ein Seeplättchen liegt in der Mitte des Tisches aus, jede der vier Seiten mit Lampions verschiedener Farben garniert. Diese dienen allerdings nicht nur als Dekoration. Vielmehr platzieren sich die Spieler so um den Tisch, dass jede Seite des Plättchens zu einem Spieler zeigt. Obendrein starten wir auch gleich noch mit einer Laternenkarte der entsprechenden Farbe. Nun zieht jeder Spieler noch drei der verdeckt ausliegenden Seeplättchen und schon geht es los.


bunte Laternen…
Jede Runde legt der aktive Spieler nun ein Seeplättchen von der Hand in die zentrale Auslage. Als einzige Regel gilt dabei, dass stets Seite an Seite gelegt werden muss. Natürlich sollten aber dennoch einige Dinge beachtet werden, will man in der Wertung eine Rolle spielen. Denn die ausgelegten Plättchen versorgen uns mit den begehrten Laternenkarten. Dabei bekommen wir stets eine Karte, wenn die Seite des angelegten Plättchens farblich mit dem Zielfeld übereinstimmt. Obendrein bekommen wir auch eine Karte der Farbe, die beim Legen des neuen Plättchens in unsere Richtung zeigt. Und hier kommt der Kniff ins Spiel. Denn auch alle anderen Spieler bekommen eine Laternenkarte, je nachdem welche Farbe das Seeplättchen an ihrer Seite aufweist. Zumindest solange noch entsprechende Karten im Vorrat liegen, womit eines der zu berücksichtigenden taktischen Elemente bereits erwähnt wurde.

und lukrative Belohnungen
Bleibt noch eine Frage: Was genau machen wir denn nun mit den Laternenkarten? Nun, einmal pro Runde dürfen wir einige davon für Belohnungskarten eintauschen, welche Siegpunkte liefern. Dabei bringen sieben verschiedene Laternenkarten zumeist mehr Punkte als drei oder sogar nur zwei Paare. Auch lohnt es sich, Karten früh zu erwerben, da die Ausbeute mit jeder erworbenen Karte abnimmt. Und um all das Sammeln von Farben etwas einfacher zu gestalten, erlauben uns Schiffe (die wir über Seeplättchen sammeln) Karten auszutauschen. Und diese Option sollten wir durchaus nutzen, wollen wir am Ende die schönste Laternenkombination auf den See zaubern.


Fazit
Wie ihr inzwischen bereits bemerkt haben dürftet, kommt Lichterfest mit sehr wenigen Regeln aus. Plättchen legen, Karten sammeln, Karten tauschen, punkten. Das einfache System sorgt dafür, dass man schnell ins Spiel kommt und lange Grübeleien eher selten sind. Zugleich fühlt sich dadurch aber auch vieles bekannt an. Einzig die Aufmachung fällt aus gewohnten Schemata heraus. Zwar ist die Grafik mit Sicherheit nicht jedermanns Sache, mir selbst gefällt sie aber sehr gut. Eine Ausnahme stellen die Symbole auf den Plättchen dar, die das Nehmen eines Schiffes erlauben. Diese wirken etwas deplatziert und verwirren obendrein zu Beginn, da sie zwar unterschiedlich sind aber die gleiche spielerische Bedeutung besitzen.

Abseits von der Aufmachung hat mir Lichterfest anfänglich auch spielerisch wirklich gut gefallen. Ständig versucht man, die eigenen Optionen gegen die Vorteile der Mitspieler abzuwägen und entsprechend Karten zu nehmen. Im Optimalfall kann man den Mitspielern auf diesem Weg Karten vorenthalten (wenn der Stapel leer ist) und damit einen kleinen Vorteil erringen. Obendrein sorgt das Wettrennen um die Punktekarten (die stets weniger lukrativ werden) für Spannung. Allerdings fesselt das insbesondere in den ersten Partien. Denn nach einigen Durchgängen wird mehr und mehr klar, dass all das Überlegen keinen allzu großen Einfluss hat. Da man jede Karte gebrauchen kann, legt man seine Plättchen am besten so, dass die eigene Ausbeute maximiert wird. Eigentlich kann man mit jeder Karte etwas anfangen, ein spielerischer Vorteil ist auf diesem Weg schwer zu erzielen. Was die Mitspieler bekommen ist zwar nicht unwichtig, aber bei weitem nicht so bedeutsam wie anfänglich gedacht. Gleiches gilt für die Punktekarten. Wenn ich bei einer Art weniger Punkte erhalte, mach ich das üblicherweise an anderer Stelle wieder gut, wodurch das Gefühl eines Wettrennens obsolet wird.

Dennoch ist Lichterfest sicherlich kein schlechtes Spiel, fällt für mich aber nach anfänglicher Begeisterung inzwischen nur noch in die Kategorie gehobener Durchschnitt. Zu einem ähnlichen Fazit kommt übrigens auch Christoph von der Brettspielbox, wie ihr HIER nachlesen könnt.


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