Mittwoch, 2. September 2015

Trambahn



Eine Nummer kleiner
Wenn man nach einem innovativen Thema für Brettspiele sucht, dürften Züge nicht unbedingt zuerst genannt werden. Der Bau Kontinente überspannender Schienennetze, das Führen großer Bahnunternehmen und selbst die Errichtung der Transsibirischen Eisenbahn durften wir Spieler bereits in Angriff nehmen. Da es größer kaum geht, wird es wohl Zeit die Dimensionen etwas herunterzuschrauben. Dementsprechend kümmern wir uns in Trambahn (Helmut Ohley / Lookout) lieber um die Errichtung der Münchner Straßenbahn.

Trambahn ist ein Spiel für 2 das maßgeblich von Karten gesteuert wird, mit denen wir Haltestellen bauen, Passagiere anlocken und zugleich die Finanzen im Blick haben müssen. All das läuft allerdings deutlich simpler und abstrakter, als es im ersten Moment klingt.



Bunte Zahlen
Der überwiegende Teil des Boxinhaltes von Trambahn besteht aus Karten in 4 Farben und Nummern von 1 bis 10. Diesen Karten kommen zugleich mehrere verschiedene Rollen zu. Zunächst müssen zu Beginn des Zuges 1 oder 2 Handkarten als Fahrgäste zur farblich passenden Stationskarte gelegt werden. Wird hier die vierte Karte einer Farbe angelegt folgt sofort eine Wertung, auf die ich später eingehen werde. Anschließend werden beliebig viele Karten als Haltestellen in die eigene Auslage gelegt. Dabei müssen die Karten stets farbrein und aufsteigend in eine Reihe gelegt werden. Da durchaus auch mehrere Reihen einer Farbe gebildet werden dürfen, gibt es hier eigentlich immer etwas zu tun. Zumindest solange die Reihen mit einer Straßenbahn ausgestattet werden können.


Straßenbahnen
Denn um Stationen abzufahren werden natürlich auch Bahnen benötigt. Und so wird jede Reihe die nicht damit ausgestattet wird, direkt wieder abgelegt. Straßenbahnen kauft man schlicht mit Geld, das auf der Rückseite jeder Karte abgebildet. Ein entsprechender Nachschub wird dadurch sichergestellt, dass am Rundenende beliebig viele nicht verwendete Karten auf den Geldstapel wandern. Da im Anschluss auf 6 Karten nachgezogen wird, lohnt sich dies eigentlich fast immer.

Los geht die Fahrt
Wie bereits vorab erwähnt wird eine Streckenwertung ausgelöst, sobald einer der beiden Spieler die vierte farblich passende Karte in Mitte legt. Das Spiel wird an dieser Stelle kurz unterbrochen und jeder Spieler addiert die Werte der eigenen, farblich passenden Linien zusammen. Dabei werden die Punkte der Karten mit dem Wert der Straßenbahn multipliziert, wobei teure Bahnen höhere Multiplikatoren bieten. Zusätzliche Punkte lassen sich über Sonderwertungen einheimsen. Diese werden ausgelöst, sobald ein Spieler die achte Karte an eine eigene Reihe anlegt. Diese punktet sofort und einmalig, ohne dass der Gegner daran partizipieren kann. Sobald 10 reguläre Wertungen stattgefunden haben, endet das Spiel und die Punkte werden aufaddiert.


Fazit
Ein Vergleich der sich bei Trambahn geradezu aufdrängt, ist der zum Klassiker Lost Cities. Und tatsächlich sind viele Parallelen erkennbar. Beide Spiele leben maßgeblich davon, aufsteigende Reihen in der passenden Farbe zu bilden und damit zu punkten. Doch Trambahn bietet darüber hinaus noch einige weitere Ideen und Elemente. So muss stets der Geldbestand im Blick behalten werden um die eigenen Optionen zu vergrößern, das eigene Vorgehen muss etwas langfristiger abgewägt werden. Zugleich reduziert dieses Element etwas den Glücksanteil, unpassende Karten wandern einfach in den Geldstapel wo sie dann doch von Nutzen sind.

Dennoch ist der Glücksanteil auch bei Trambahn recht hoch. Wer passende Reihen auf die Hand bekommt hat immer deutliche Vorteile gegenüber dem Mitspieler. Aufgrund der kurzen Spielzeit ist das zu verschmerzen, gefällt aber nicht jedem. Obendrein fehlen mir längerfristige Möglichkeiten oder spekulative Elemente. Es lohnt sich fast nie, (mehr als) eine Karte für die kommende Runde auf der Hand zu behalten. Stets landen die Karten im Geldstapel und man hofft in der Folgerunde auf eine bessere Hand. 
Unangenehm ist in meinen Gruppen auch der hohe bürokratische Aufwand aufgefallen. Ständig ist man damit beschäftigt die Werte eigener und generischer Reihen zu berechnen und mit den eigenen Möglichkeiten abzugleichen. Besonders gegen Spielende und bei entsprechenden Spielern kann dies einiges an Zeit in Anspruch nehmen. Gerade für ein Spiel mit einem solchen Glücksfaktor scheint der Aufwand unverhältnismäßig hoch.

In der Summe hat Trambahn durchaus einige spannende Ansätze. Der recht aufwendige Spielverlauf wirkt sich aber leider spürbar auf den Spielreiz aus.


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